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Heizung entlüften: Schritt für Schritt, wenn der Heizkörper gluckert

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Entlüftungsschlüssel steckt im Ventil eines weißen Heizkörpers
Mit dem Entlüftungsschlüssel das Ventil nur öffnen, bis gleichmäßig Wasser kommt
Inhalt9 Abschnitte
  1. Woran Sie Luft im Heizkörper erkennen
  2. Was Sie brauchen
  3. Schritt für Schritt: Heizkörper entlüften
  4. In welcher Reihenfolge?
  5. Nach dem Entlüften: Anlagendruck prüfen
  6. Mietwohnung, Etagenheizung und Zentralheizung
  7. Wann der Fachbetrieb kommen sollte
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Eine Heizung entlüften Sie in wenigen Minuten: Thermostat ganz aufdrehen, Heizung oder Umwälzpumpe ausschalten, rund eine Stunde warten und dann das Entlüftungsventil am Heizkörper mit einem Entlüftungsschlüssel langsam öffnen. Sobald keine Luft mehr zischt, sondern Wasser austritt, schließen Sie das Ventil wieder. Zum Schluss prüfen Sie am Heizkessel den Anlagendruck, denn mit der Luft entweicht auch etwas Wasser.

Woran Sie Luft im Heizkörper erkennen

Luft sammelt sich immer an der höchsten Stelle eines Heizkörpers. Dort kann das warme Wasser nicht mehr hin, und der Heizkörper bleibt oben kühl, während er unten warm wird. Typisch sind außerdem Gluckern, Plätschern oder ein Rauschen, wenn die Heizung anläuft. Manchmal wird ein einzelner Heizkörper gar nicht mehr richtig warm, obwohl das Thermostat aufgedreht ist.

Luft gelangt auf verschiedenen Wegen ins Wasser: nach dem Befüllen oder Nachfüllen der Anlage, nach Arbeiten an Leitungen oder einfach, weil im Heizungswasser gelöste Gase mit der Zeit frei werden. Ein- bis zweimal im Jahr zu entlüften ist deshalb normal, am besten zu Beginn der Heizsaison. Wenn Sie ohnehin gerade dabei sind, die Heizkörper vor dem Winter zu säubern, passt beides gut zusammen: Wie das geht, steht unter Heizkörper reinigen.

Nicht jede Störung ist Luft. Ist ein Heizkörper überall gleichmäßig lauwarm oder ganz kalt, kann auch ein festsitzender Ventilstift unter dem Thermostatkopf oder ein fehlender hydraulischer Abgleich dahinterstecken. Dann hilft Entlüften nicht.

Was Sie brauchen

  • einen Entlüftungsschlüssel; die meisten Ventile haben einen kleinen Vierkant, manche einen Schlitz für einen Schraubendreher
  • ein kleines Gefäß, etwa einen Becher oder eine Schale
  • einen alten Lappen oder ein Handtuch
  • bei Bedarf einen Handschuh als Schutz gegen warmes Wasser

Entlüftungsschlüssel gibt es im Baumarkt für wenig Geld, oft liegen sie auch einem neuen Heizkörper bei. Wer mehrere Wohnungen oder ältere Ventile hat, greift zu einem Satz mit verschiedenen Größen, etwa als Entlüftungsschlüssel-Set.

Schritt für Schritt: Heizkörper entlüften

  1. Thermostat aufdrehen. An allen Heizkörpern, die Sie entlüften wollen, das Thermostat auf die höchste Stufe stellen. So ist das Ventil ganz offen.
  2. Heizung oder Umwälzpumpe ausschalten. Solange die Pumpe läuft, wird die Luft im Kreis mitgerissen. Bei einer eigenen Gastherme oder einem Kessel im Haus schalten Sie die Anlage oder nur die Pumpe aus, je nachdem, was Ihre Bedienungsanleitung vorsieht.
  3. Etwa eine Stunde warten. In dieser Zeit steigt die Luft nach oben, und das Wasser kühlt etwas ab.
  4. Ventil finden. Das Entlüftungsventil sitzt oben am Heizkörper, meist auf der Seite gegenüber dem Thermostat. Bei Badheizkörpern ist es oft oben an einem der senkrechten Rohre.
  5. Gefäß und Lappen bereithalten. Den Lappen unter das Ventil halten, das Gefäß direkt darunter.
  6. Langsam öffnen. Den Schlüssel aufsetzen und gegen den Uhrzeigersinn drehen, meist genügt eine Viertel- bis halbe Umdrehung. Sie hören die Luft zischen.
  7. Schließen, sobald Wasser kommt. Tritt statt Luft ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Blasen aus, drehen Sie das Ventil im Uhrzeigersinn wieder zu. Handfest genügt, nicht mit Kraft anziehen.
  8. Alle Heizkörper nacheinander. Den Vorgang an jedem betroffenen Heizkörper wiederholen.
  9. Heizung wieder einschalten und Druck prüfen. Anlage oder Pumpe wieder anschalten, die Thermostate auf die gewohnte Stufe zurückstellen und am Kessel den Druck ablesen.

Vorsicht, heißes Wasser. Auch nach einer Stunde Wartezeit kann das Wasser aus dem Ventil noch sehr heiß sein, und es kommt manchmal ruckartig. Halten Sie Gesicht und Hände nicht direkt vor das Ventil und lassen Sie Kinder dabei nicht helfen. Öffnen Sie das Ventil nie ganz: Der kleine Ventilstift kann sonst herausfallen, und dann läuft Wasser ungebremst nach.

In welcher Reihenfolge?

Weil Luft nach oben steigt, sammelt sie sich im Haus bevorzugt in den Heizkörpern der oberen Geschosse. Häufig wird empfohlen, im untersten Geschoss zu beginnen und sich nach oben vorzuarbeiten, oder mit dem Heizkörper zu beginnen, der dem Kessel am nächsten liegt. Eine für jede Anlage gültige Reihenfolge gibt es nicht; hat Ihr Heizungsbauer eine bestimmte genannt, halten Sie sich daran. Wichtiger als die Reihenfolge ist, dass die Pumpe aus ist und Sie danach den Druck kontrollieren. Gluckert es nach dem Einschalten oben immer noch, entlüften Sie diese Heizkörper nach einer Pause ein zweites Mal.

Nach dem Entlüften: Anlagendruck prüfen

Mit jeder Luftblase geht auch ein wenig Wasser aus dem Kreislauf verloren, und damit sinkt der Druck in der Anlage. Am Heizkessel oder an der Therme sitzt ein Manometer, das den Druck anzeigt, meist in bar. In einem Einfamilienhaus liegt der Wert bei kalter Anlage typischerweise zwischen 1 und 2 bar; manche Manometer haben dafür eine grüne Markierung. Maßgeblich ist aber, was der Hersteller oder der Heizungsbauer für Ihre Anlage vorgibt, denn der richtige Druck hängt unter anderem von der Höhe des Gebäudes ab.

Ist der Druck deutlich unter den Sollwert gefallen, muss Wasser nachgefüllt werden. Das ist Sache des Eigentümers oder eines Fachbetriebs. Wer es selbst macht, braucht einen passenden Füllschlauch und muss wissen, welches Wasser die Anlage verträgt; viele Hersteller schreiben dafür bestimmte Anforderungen an das Füllwasser vor. Bei Unsicherheit ist ein Anruf beim Heizungsbauer die bessere Wahl.

Mietwohnung, Etagenheizung und Zentralheizung

In einer Mietwohnung dürfen Sie die Heizkörper in der Regel selbst entlüften; der Aufwand ist gering, und Sie greifen nicht in die Anlage ein. Den Kessel einer Zentralheizung im Keller schalten Sie als Mieter aber nicht ab. Entlüften Sie dann einfach bei laufender Anlage und besonders vorsichtig, oder bitten Sie Vermieter beziehungsweise Hausmeister um einen Termin. Sinkt der Druck oder müssen Sie ungewöhnlich oft entlüften, sagen Sie dem Vermieter Bescheid. Wie Sie die Heizung im Alltag sparsam einstellen, steht unter Heizkosten sparen.

Fußbodenheizungen werden nicht am Heizkörper entlüftet, sondern am Heizkreisverteiler; das ist eine Aufgabe für den Fachbetrieb. Manche Heizkörper haben automatische Schnellentlüfter, die nichts weiter brauchen.

Wann der Fachbetrieb kommen sollte

Einmal im Herbst entlüften ist normal. Müssen Sie aber alle paar Wochen ran, oder fällt der Druck immer wieder, stimmt etwas mit der Anlage nicht. Mögliche Ursachen sind eine undichte Stelle, ein defektes Ausdehnungsgefäß oder ein Fehler beim Befüllen. Tropft das Ventil nach dem Schließen weiter, ist die Dichtung verschlissen. In all diesen Fällen gehört die Anlage in die Hände eines Heizungsbauers. Weitere Anleitungen rund ums Haus finden Sie in der Rubrik Haus.

Typische Fehler

  • Pumpe läuft weiter: Die Luft wird mitgerissen, und statt Luft kommt schnell Wasser, obwohl der Heizkörper noch Luft enthält.
  • Ventil zu weit geöffnet: Der Ventilstift kann herausfallen, und heißes Wasser spritzt unkontrolliert.
  • Druck nicht kontrolliert: Nach mehreren Heizkörpern kann der Druck so weit fallen, dass die Heizung eine Störung meldet.
  • Nur einmal entlüftet: Bei viel Luft im System braucht es manchmal einen zweiten Durchgang.

Häufige Fragen

Wie lange muss ich nach dem Ausschalten warten?

Etwa eine Stunde ist ein guter Richtwert. Die Luft hat dann Zeit, sich oben im Heizkörper zu sammeln, und das Wasser ist etwas abgekühlt.

Kann ich die Heizung im laufenden Betrieb entlüften?

Möglich ist es, aber weniger wirksam, weil die Pumpe die Luft im Kreislauf verteilt. Wer den Kessel nicht selbst abschalten kann, etwa in einer Mietwohnung mit Zentralheizung, entlüftet eben bei laufender Anlage und besonders vorsichtig.

Was tun, wenn der Heizkörper nach dem Entlüften immer noch kalt bleibt?

Prüfen Sie zuerst den Druck am Kessel. Stimmt der, kann der Ventilstift unter dem Thermostatkopf festsitzen, was nach dem Sommer häufig vorkommt. Bleibt das Problem, sollte sich ein Heizungsbauer die Anlage ansehen.

Wie oft sollte man die Heizung entlüften?

In der Regel einmal zu Beginn der Heizsaison und zusätzlich, wenn es gluckert oder ein Heizkörper oben kalt bleibt. Häufiger nötiges Entlüften ist ein Hinweis auf ein Problem in der Anlage.