In Fliesen bohren, ohne dass sie springen

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In Fliesen bohren Sie, ohne dass sie springen, wenn Sie drei Dinge beachten: den richtigen Bohrer, kein Schlagwerk und Geduld. Die Glasur wird mit Klebeband oder einem Körnerpunkt gegen Abrutschen gesichert, dann geht es mit niedriger Drehzahl und wenig Druck durch die Fliese – und erst dahinter mit dem Mauerwerksbohrer weiter. Vorher steht allerdings die wichtigste Frage: Was liegt hinter der Wand?
Erst prüfen, was hinter der Fliese liegt
In keinem Raum liegen so viele Leitungen so dicht hinter der Wand wie im Bad. Ein angebohrtes Wasserrohr bedeutet einen Wasserschaden, ein getroffenes Kabel Lebensgefahr.
- Stromleitungen verlaufen in fachgerecht installierten Wänden in festgelegten Zonen: senkrecht über und unter Steckdosen und Schaltern sowie in waagerechten Streifen unterhalb der Decke und oberhalb des Bodens, außerdem neben Türen, Fenstern und Raumecken. Verlassen können Sie sich darauf nicht, vor allem nicht im Altbau und nach Umbauten.
- Wasserleitungen folgen keiner solchen Regel. Sie laufen häufig senkrecht von den Armaturen nach unten oder oben und waagerecht zwischen Waschbecken, WC, Dusche und Wanne. Die Fläche ober- und unterhalb sowie zwischen zwei Wasserstellen ist deshalb die riskanteste.
- Ein Leitungssucher zeigt Metall und spannungsführende Leitungen an, bessere Geräte auch Kunststoffrohre. Fahren Sie die Stelle mehrfach in beide Richtungen ab. Ein Ortungsgerät mindert das Risiko, nimmt es aber nicht ganz: Kunststoffrohre und stromlose Leitungen erkennen einfache Geräte schlecht.
- Vorwände und Wannenverkleidungen sind oft hohl. Dort braucht es Hohlraumdübel, und dahinter liegen besonders häufig Rohre.
Bleibt die Lage unklar, bohren Sie an anderer Stelle oder gar nicht. Für Arbeiten in der Nähe von Leitungen können Sie zusätzlich die Sicherung des Stromkreises ausschalten.
Altbau vor 1993: In älteren Fliesenklebern, Putzen und Spachtelmassen kann Asbest gebunden sein; verwendet werden darf der Stoff in Deutschland seit 1993 nicht mehr. Solange die Wand unversehrt ist, geht davon keine Gefahr aus, beim Bohren entsteht aber Staub aus genau diesen Schichten. Wissen Sie nicht, wann gefliest wurde, lassen Sie vor größeren Vorhaben eine Materialprobe untersuchen oder weichen Sie auf Befestigungen zum Kleben aus. Hintergründe stehen unter Asbest entsorgen.
Der richtige Bohrer für Fliese und Wand
Welcher Bohrer durch die Fliese kommt, hängt von ihrer Härte ab:
| Fliese | Woran Sie sie erkennen | Bohrer |
| Steingut (übliche Wandfliese) | heller oder rötlicher, eher weicher Scherben unter der Glasur | Fliesenbohrer mit Hartmetallspitze, auch Glasbohrer |
| Steinzeug | dichter und härter, oft als Bodenfliese | hochwertiger Fliesenbohrer mit geschliffener Hartmetallspitze oder Diamantbohrer |
| Feinsteinzeug, Naturstein wie Granit | sehr hart, durchgefärbt, kaum saugend | Diamantbohrer oder Diamantbohrkrone, gekühlt |
Ein gewöhnlicher Steinbohrer ist für die Glasur zu stumpf: Er rutscht, wird heiß und sprengt Splitter ab. Für das Mauerwerk hinter der Fliese ist er dagegen richtig. Sie brauchen also in der Regel zwei Bohrer im selben Durchmesser.
Außerdem: Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit abschaltbarem Schlag, Malerkrepp, Stift, Wasserwaage, Staubsauger, Schutzbrille, passende Dübel und Schrauben, für Nassbereiche etwas Sanitärsilikon.
Schritt für Schritt durch die Fliese
- Anzeichnen. Bohrpunkte mit Wasserwaage ausrichten und markieren. Halten Sie nach Möglichkeit Abstand zum Fliesenrand; dicht an der Kante bricht die Fliese am ehesten.
- Abkleben. Ein Kreuz aus Malerkrepp über die Stelle kleben und den Punkt darauf anzeichnen. Das Band gibt der Bohrerspitze Halt und schützt die Glasur vor Ausbrüchen. Wer Übung hat, kann die Glasur stattdessen mit einem Körner oder Nagel ganz leicht anritzen – mit einem zarten Schlag, nicht mit Kraft.
- Schlag ausschalten. Schlag- oder Hammerfunktion aus, niedrige Drehzahl wählen.
- Gerade ansetzen und langsam anbohren. Die Maschine genau rechtwinklig halten und mit wenig Druck arbeiten. Der Bohrer soll schneiden, nicht drücken.
- Kühlen. Bei harten Fliesen wird die Spitze schnell heiß und damit stumpf. Legen Sie Pausen ein und kühlen Sie mit Wasser, etwa aus einer Sprühflasche oder mit einem nassen Schwamm direkt unter der Bohrstelle. Diamantbohrer brauchen fast immer Wasser; manche Ausführungen kühlen sich über eine Wachsfüllung selbst. Halten Sie Wasser von der Maschine fern.
- Bohrer wechseln. Sobald die Fliese durchbohrt ist – man spürt es am nachlassenden Widerstand und sieht es am Bohrmehl –, auf den Mauerwerksbohrer wechseln.
- In die Wand bohren. In Beton und hartem Vollstein darf jetzt der Schlag dazu, in Lochziegeln, Porenbeton und Gipskarton weiterhin nicht. Den Bohrer nicht verkanten, damit er nicht am Fliesenrand hebelt.
- Tief genug bohren. Das Loch muss um die Dicke von Fliese und Kleber tiefer sein als der Dübel lang ist. Bohrmehl absaugen.
- Dübel versenken. Den Dübel so weit einschieben, dass er vollständig im Mauerwerk sitzt. Spreizt er in der Fliese, sprengt er sie beim Anziehen der Schraube.
- Abdichten. In Bereichen mit Spritzwasser etwas Sanitärsilikon in das Bohrloch und um die Schraube geben, damit kein Wasser hinter die Fliese läuft.
Den Staub fangen Sie am einfachsten ab, wenn eine zweite Person das Saugrohr direkt unter das Bohrloch hält, oder mit einem gefalteten Zettel, der mit Krepp unter der Stelle klebt.
In die Fuge bohren: Vor- und Nachteile
Der Rat, lieber in die Fuge zu bohren, hat einen wahren Kern, aber Grenzen.
Dafür
| Dagegen
|
Sinnvoll ist die Fuge also bei breiten Fugen, kleinen Dübeln und leichten Dingen wie Haken. Für einen Hängeschrank oder eine Duschstange zählt die richtige Position mehr als die Fuge.
Typische Fehler
- Schlagwerk an. Der häufigste Grund für gesprungene Fliesen.
- Zu viel Druck und Drehzahl. Der Bohrer glüht aus und schneidet nicht mehr; hartes Feinsteinzeug verzeiht das nicht.
- Auf hohl liegender Fliese gebohrt. Klingt die Fliese beim Abklopfen hohl, fehlt ihr die Unterstützung, und sie bricht leichter. Besser eine andere Stelle wählen.
- Dübel bündig mit der Glasur. Er gehört hinter die Fliese.
- Falscher Dübel. In Lochstein und Hohlwand braucht es dafür gemachte Dübel, sonst dreht die Schraube durch.
- Abdichtung vergessen. In der Dusche liegt unter den Fliesen häufig eine Abdichtung, die jedes Bohrloch durchstößt. Dort lieber gar nicht bohren.
Ein Loch in der Fliese reparieren
Nicht mehr gebrauchte Dübellöcher lassen sich schließen: Dübel herausziehen oder versenken, das Loch mit Fliesen-Reparaturspachtel oder Füllmasse füllen und mit einem passenden Lackstift oder Reparaturwachs im Farbton angleichen. Unsichtbar wird es selten, unauffällig meistens. Die Einzelheiten stehen unter Löcher in der Wand füllen. Ein Loch in der Fuge schließen Sie mit etwas Fugenmörtel im passenden Ton; wie neuer Mörtel hält, erklärt der Beitrag Fugen erneuern.
Alternativen ohne Bohren
Vieles im Bad hält heute ohne Loch: Klebehaken und Klebesysteme mit Montagekleber, Saugnäpfe mit Vakuumpumpe, Klemmstangen und Türhaken. Auf glatten, entfetteten Fliesen tragen gute Klebesysteme auch Handtücher und Duschkörbe. Die Übersichten dazu: Handtuchhalter ohne Bohren, Duschablage ohne Bohren und Duschvorhangstange ohne Bohren. Für schwere Lasten wie Hängeschränke, Waschbecken oder Haltegriffe, an denen sich jemand festhält, führt am Dübel kein Weg vorbei.
Mieter dürfen im üblichen Umfang bohren, um ein Bad zu nutzen; was als üblich gilt, ist allerdings nicht fest umrissen, und Fliesen sind schwerer zu reparieren als Putz. Sprechen Sie in der Regel vorher mit dem Vermieter, bohren Sie sparsam und heben Sie, wenn vorhanden, Ersatzfliesen auf.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem normalen Steinbohrer in Fliesen bohren?
Bei weichen Wandfliesen aus Steingut gelingt das manchmal mit einem neuen, scharfen Bohrer, Klebeband und viel Gefühl. Sicherer ist ein Fliesenbohrer; bei Feinsteinzeug kommt ein Steinbohrer nicht durch.
Warum springt die Fliese beim Bohren?
Meist wegen eingeschaltetem Schlag, zu hohem Druck, einem stumpfen Bohrer oder einem Hohlraum hinter der Fliese. Auch Löcher dicht am Rand und Dübel, die in der Fliese spreizen, führen zu Rissen.
Fuge oder Fliese – wohin bohren?
In die Fuge, wenn sie breiter ist als der Dübel und die Stelle passt. Sonst in die Fliese, mit Abstand zum Rand. Eine sauber gebohrte Fliese ist besser als ausgebrochene Kanten an einer zu schmalen Fuge.
Muss ich beim Bohren in Feinsteinzeug kühlen?
Ja. Ohne Kühlung überhitzt der Diamantbelag und ist nach wenigen Löchern verbraucht. Wasser aus der Sprühflasche oder ein nasser Schwamm reichen, solange nichts in die Maschine läuft.
Wie tief muss das Loch sein?
So tief wie der Dübel lang ist, plus die Dicke von Fliese und Kleberbett, plus etwas Luft für das Bohrmehl. Der Dübel soll ganz im tragenden Mauerwerk sitzen.
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