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Fahrradkette reinigen und ölen

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Verschmutzte Fahrradkette auf den Ritzeln einer Kettenschaltung
Eine saubere, geölte Kette schaltet leichter und hält deutlich länger
Inhalt10 Abschnitte
  1. Warum eine saubere Kette länger hält
  2. Was Sie brauchen
  3. Die schnelle Pflege: Lappen und Öl
  4. Gründlich reinigen: Kettenreiniger, Gerät und Bürste
  5. Öl, Wachs und die Sache mit WD-40
  6. Was der Kette schadet
  7. Verschleiß messen: wann die Kette getauscht werden muss
  8. E-Bike: mehr Kraft, mehr Verschleiß
  9. Öl und Reiniger gehören nicht in den Boden
  10. Häufige Fragen

Eine Fahrradkette reinigen Sie am Rad: mit einem Lappen den groben Schmutz abziehen, bei Bedarf mit Kettenreiniger und Bürste nacharbeiten, trocknen lassen, jedes Gelenk sparsam ölen und zum Schluss das überschüssige Öl wieder abwischen. Das dauert zehn Minuten und schont den gesamten Antrieb. Wie der Rest des Rades sauber wird, steht unter Fahrrad putzen; hier geht es um Kette, Ritzel und Kettenblätter im Einzelnen.

Warum eine saubere Kette länger hält

Eine Kette besteht aus Laschen, Bolzen und Rollen. Geschmiert werden muss sie innen, an den Gelenken zwischen Bolzen und Rolle. Außen braucht sie kein Öl, dort hält es nur Staub und Sand fest. Zusammen mit dem Öl ergibt das eine schwarze Paste, die wie Schleifmittel wirkt und in die Gelenke wandert. Die Bolzen nutzen sich ab, die Kette wird länger, greift nicht mehr sauber in die Zähne und schleift diese spitz. Am Ende sind statt einer Kette auch Kassette und Kettenblatt fällig.

Reinigen und Ölen gehören deshalb zusammen: Wer nur Öl auf eine schmutzige Kette gibt, spült den Schmutz erst recht in die Gelenke.

Was Sie brauchen

  • alte Baumwolllappen, etwa ein zerschnittenes T-Shirt
  • Kettenreiniger für Fahrräder, biologisch abbaubar, oder ein Entfetter auf Zitrusbasis
  • eine schmale Bürste oder alte Zahnbürste für Ritzel und Schaltröllchen
  • Kettenöl für trockene oder nasse Bedingungen
  • Handschuhe und eine Unterlage aus Pappe oder eine alte Wanne
  • optional ein Kettenreinigungsgerät zum Aufklipsen und eine Kettenlehre

Die schnelle Pflege: Lappen und Öl

Für die Kette eines Alltagsrads, die nur staubig und trocken ist, genügt diese Kurzform nach ein paar Regenfahrten oder alle paar Wochen.

  1. Kette durch den Lappen ziehen. Den Lappen um den unteren Kettenstrang legen, leicht zusammendrücken und die Kurbel rückwärts drehen. Lappenstelle wechseln, bis kaum noch Schwarz abfärbt.
  2. Schaltröllchen abstreifen. An den beiden kleinen Rädchen im Schaltwerk sitzt oft ein fester Schmutzring. Lappen oder Fingernagel dagegenhalten und kurbeln.
  3. Ölen. Einen kleinen Tropfen auf jede Rolle des unteren Kettenstrangs, innen, während die Kurbel langsam rückwärts läuft. Eine Umrundung reicht.
  4. Einarbeiten. Ein paar Kurbelumdrehungen, einmal durch alle Gänge schalten, einige Minuten warten.
  5. Überschuss abwischen. Mit einem sauberen Lappen die Kette außen trockenreiben.

Der letzte Schritt ist der wichtigste. Eine Kette, die außen ölig glänzt, ist am nächsten Tag wieder schwarz. Richtig geölt sieht sie fast trocken aus.

Gründlich reinigen: Kettenreiniger, Gerät und Bürste

Ist die Kette mit schwarzer, klebriger Schmiere überzogen, muss das alte Öl erst herunter.

  1. Unterlage auslegen. Pappe oder Wanne unter den Antrieb stellen, damit nichts auf den Boden tropft. Die Bremsscheibe des Hinterrads mit einem sauberen Lappen abdecken.
  2. Reiniger auftragen. Kettenreiniger auf einen Lappen geben und die Kette hindurchziehen, oder das Kettenreinigungsgerät nach Anleitung füllen, auf den unteren Strang klipsen und die Kurbel etwa 30 Umdrehungen rückwärts drehen. Die Bürsten im Gerät erreichen auch die Zwischenräume.
  3. Ritzel und Kettenblätter bürsten. Mit der schmalen Bürste und etwas Reiniger zwischen die Ritzel fahren. Ein straff gespannter Lappenstreifen, wie Zahnseide durch die Zwischenräume gezogen, holt den Rest heraus.
  4. Reiniger abnehmen. Mit einem feuchten Lappen nachwischen oder mit wenig Wasser aus der Gießkanne abspülen, je nach Angabe auf dem Reiniger. Rückstände des Entfetters würden das neue Öl gleich wieder lösen.
  5. Trocknen. Kette mit einem trockenen Lappen abreiben und warten, bis auch die Gelenke trocken sind. In der Sonne oder im warmen Raum geht das in einer halben Stunde.
  6. Ölen und abwischen wie oben beschrieben.

Ketten mit Kettenschloss lassen sich abnehmen und in einem Schraubglas mit Reiniger schütteln. Manche Kettenschlösser sind laut Hersteller nur für einmaliges Schließen gedacht; dann gehört nach dem Öffnen ein neues hinein.

Öl, Wachs und die Sache mit WD-40

Kettenöle gibt es grob in zwei Sorten. Dünnflüssige Öle für trockene Bedingungen ziehen wenig Schmutz an, werden aber vom Regen schnell ausgewaschen. Zähere Öle für nasse Bedingungen halten länger, binden dafür mehr Dreck. Wer das ganze Jahr pendelt, fährt mit der Nass-Sorte im Winter und der Trocken-Sorte im Sommer gut. Kettenwachs läuft sauberer als Öl, verlangt aber eine vollständig entfettete Kette und häufigeres Nachbehandeln; das lohnt sich eher für Sporträder als für das Stadtrad.

Und WD-40? Das klassische Spray in der blau-gelben Dose ist ein dünnes Kriechöl, das Wasser verdrängt, festsitzenden Schmutz löst und einen leichten Schutzfilm hinterlässt. Zum Lösen von altem Dreck oder nach einer Regenfahrt gegen Flugrost kann man es nehmen. Als Kettenschmierung taugt es nicht: Der Film ist zu dünn und hält unter Last nur kurz, die Kette läuft bald wieder trocken. Wer damit reinigt, wischt gründlich nach und ölt anschließend mit richtigem Kettenöl. Unter demselben Markennamen gibt es inzwischen auch eigene Fahrrad-Kettenöle; gemeint ist hier das Universalspray. Speiseöl verharzt und ist ebenfalls kein Ersatz.

Sprühöle haben einen zweiten Nachteil: Der Nebel landet leicht auf Bremsscheibe oder Felgenflanke. Die Flasche mit Tropfer ist die sicherere Wahl.

Was der Kette schadet

  • Hochdruckreiniger und Dampfstrahler. Der Strahl drückt Wasser an den Dichtungen vorbei in Tretlager, Naben und Schaltröllchen und spült dort das Fett heraus. Die Kette selbst wird zwar sauber, aber eben auch innen blank.
  • Benzin, Diesel, Bremsenreiniger. Sie entfetten radikal, greifen Dichtringe und Lack an, sind feuergefährlich und gehören nicht in Hof oder Keller.
  • Öl auf die nasse Kette. Es haftet schlecht und schließt Wasser ein.
  • Liegenlassen nach einer Salzfahrt. Streusalz lässt eine Kette über Nacht rostrot anlaufen. Leichten Flugrost bekommt man mit Öl und Lappen weg; sitzen Glieder fest, ist die Kette am Ende. Mehr dazu unter Rost entfernen.

Verschleiß messen: wann die Kette getauscht werden muss

Eine Kette wird nicht wirklich gedehnt, sie wird länger, weil sich Bolzen und Rollen abnutzen. Messen lässt sich das mit einer Kettenlehre, einem kleinen Blechwerkzeug für wenige Euro. Sie wird in die gespannte Kette eingehängt; fällt die Messnase ganz zwischen die Rollen, ist die jeweilige Marke erreicht. Üblich sind Markierungen bei 0,5 und 0,75 Prozent Längung. Als Faustregel gilt: Schmale Ketten für Schaltungen mit elf und mehr Ritzeln tauscht man früher, breitere bei der höheren Marke. Verbindlich ist die Angabe des Ketten- oder Schaltungsherstellers.

Ohne Werkzeug hilft eine grobe Probe: Kette auf das große Kettenblatt legen und vorn mit zwei Fingern nach vorn wegziehen. Lässt sie sich so weit abheben, dass ein Zahn fast frei liegt, ist sie verschlissen. Wer zu lange wartet, merkt es daran, dass die neue Kette auf den alten Ritzeln unter Last durchrutscht.

E-Bike: mehr Kraft, mehr Verschleiß

Beim E-Bike mit Mittelmotor läuft zusätzlich zur Beinkraft die Motorkraft über die Kette. Sie verschleißt deshalb schneller und dankt regelmäßige Pflege besonders. Zum Reinigen den Akku entnehmen und das System ausschalten, damit der Antrieb nicht anläuft, während die Finger an der Kette sind. Viele Motoren lassen die Kurbel beim Rückwärtsdrehen die Kette nicht mitnehmen; dann hebt man das Hinterrad an und dreht vorwärts von Hand. Reiniger und Wasser von Motor und Steckern fernhalten.

Öl und Reiniger gehören nicht in den Boden

Auch biologisch abbaubarer Kettenreiniger ist nach dem Gebrauch mit Öl und Metallabrieb beladen. Arbeiten Sie deshalb nicht über Rasen, Beet oder Gully, sondern über einer Unterlage. Die verbrauchte Flüssigkeit aus dem Kettenreinigungsgerät füllen Sie in ein verschließbares Gefäß und geben sie bei der Schadstoffsammlung oder am Wertstoffhof ab; was Ihre Kommune annimmt, sagt die Abfallberatung. Hinweise zum Umgang mit Ölresten stehen unter Altöl entsorgen. Und falls doch etwas auf Hose oder Pflaster gelandet ist: Ölflecken entfernen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man die Fahrradkette reinigen und ölen?

Nach Gehör und Augenschein: wenn sie quietscht, trocken rasselt oder schwarz verklebt ist. Bei täglichen Fahrten bei jedem Wetter ist das oft wöchentlich, beim Schönwetterrad alle paar Wochen. Nach Regen- und Salzfahrten lohnt ein kurzes Abwischen und Nachölen sofort.

Kann ich die Fahrradkette mit Spülmittel reinigen?

Warmes Wasser mit Spülmittel löst leichten Schmutz, kommt aber gegen altes, verharztes Öl nur mühsam an. Wenn Sie es verwenden, spülen Sie gründlich nach und lassen die Kette vollständig trocknen, bevor Sie ölen.

Muss eine neue Kette vor der ersten Fahrt gereinigt werden?

Nein. Das Fett ab Werk sitzt in den Gelenken und schmiert gut. Wischen Sie nur die klebrige Außenseite mit einem Lappen ab und ölen Sie erst nach, wenn die Kette trocken klingt. Nur wer wachsen möchte, muss vorher vollständig entfetten.

Was tun, wenn die Kette rostet?

Oberflächlicher Flugrost verschwindet, wenn Sie die Kette mit Öl und Lappen mehrmals durchziehen. Sind einzelne Glieder steif oder ist die Kette durchgehend braun, wird sie ersetzt; sie ist ein Verschleißteil und kostet meist weniger als eine Kassette.