Dampfbad fürs Gesicht: Anleitung, Zusätze und für wen es nichts ist

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Ein Dampfbad fürs Gesicht ist schnell gemacht: heißes Wasser in eine Schüssel, Kopf darüber, Handtuch als Zelt, 5 bis 10 Minuten. Der warme Dampf weicht Talg und Hornschüppchen auf, die Haut lässt sich danach leichter reinigen und fühlt sich weich an. Entscheidend sind zwei Dinge: Das Wasser darf nicht mehr kochen, und nicht jede Haut verträgt die Hitze – bei erweiterten Äderchen, Rosacea oder entzündeten Pickeln ist das Dampfbad die falsche Wahl.
Was Sie brauchen
- eine hitzefeste, standsichere Schüssel (Glas, Keramik oder Edelstahl) mit 1 bis 2 Litern Fassungsvermögen
- 1 bis 1,5 Liter Wasser
- ein großes Handtuch
- nach Wunsch 1 bis 2 Esslöffel getrocknete Kamillenblüten oder 2 Teebeutel Kamillentee
- eine milde Reinigung, ein sauberes Handtuch und Ihre gewohnte Feuchtigkeitspflege
- einen Tisch, an dem Sie bequem und stabil sitzen
Eine elektrische Gesichtssauna macht dasselbe, hält die Temperatur gleichmäßiger und begrenzt die Wassermenge. Nötig ist sie nicht.
Anleitung in sechs Schritten
- Gesicht reinigen. Make-up, Sonnencreme und Schmutz mit der gewohnten milden Reinigung entfernen. Haare zurückbinden, Brille und Kontaktlinsen ablegen.
- Wasser erhitzen und abkühlen lassen. Das Wasser aufkochen, in die Schüssel gießen und drei bis fünf Minuten stehen lassen, bis es nicht mehr sprudelnd dampft. Kräuter jetzt zugeben.
- Schüssel sicher aufstellen. Die Schüssel gehört auf einen festen Tisch, nicht auf den Schoß, die Sofakante oder das Bett. Ein feuchtes Tuch darunter verhindert das Rutschen.
- Abstand finden. Den Kopf mit etwa 30 cm Abstand über die Schüssel halten und das Handtuch über Kopf und Schüssel legen. Der Dampf soll angenehm warm sein. Brennt er auf der Haut, sofort mehr Abstand nehmen oder das Handtuch lüften.
- 5 bis 10 Minuten bleiben. Augen schließen, ruhig atmen. Beim ersten Mal reichen 5 Minuten. Wird Ihnen schwindelig oder zu heiß, hören Sie auf.
- Abspülen und pflegen. Das Gesicht mit lauwarmem Wasser abspülen, mit einem sauberen Handtuch abtupfen und noch auf der leicht feuchten Haut eine Feuchtigkeitscreme auftragen.
Lassen Sie die Schüssel anschließend dort abkühlen, wo niemand sie umstoßen kann, bevor Sie das Wasser wegschütten.
Kamille, Kräuter, Öle: Welche Zusätze sinnvoll sind
Klares Wasser genügt. Zusätze sind vor allem eine Frage des Dufts; dass sie über den Dampf nennenswert auf die Haut wirken, ist kaum untersucht.
| Zusatz | Menge auf 1 Liter | Hinweis |
| Kamillenblüten | 1–2 EL oder 2 Teebeutel | der Klassiker; nicht bei Allergie gegen Korbblütler |
| Lavendelblüten | 1 EL | milder Duft, gilt als gut verträglich |
| Salbei oder Thymian | 1 EL getrocknet | würziger Duft, kann empfindliche Augen reizen |
| Ätherisches Öl | höchstens 1–2 Tropfen | Augen geschlossen halten; nicht bei Asthma, Kindern, in der Schwangerschaft |
Mit ätherischen Ölen ist Zurückhaltung angebracht. Sie verdampfen mit, gelangen in Augen und Atemwege und können dort reizen; bei Menschen mit Asthma können sie die Bronchien verengen. Pfefferminz-, Eukalyptus- und Kampferöl sind für das Gesichtsdampfbad zu scharf. Wer Dampf wegen einer verstopften Nase einatmen möchte, braucht eine andere Anleitung: Inhalieren mit Salz.
Was bringt es wirklich?
Warmer Wasserdampf lässt die oberste Hornschicht quellen und macht Talg weicher. Die Durchblutung nimmt zu, das Gesicht wirkt danach rosig. Reinigung, Peeling oder Maske tun sich auf so vorbereiteter Haut leichter. Das ist der belegbare Kern.
Mehr sollte man nicht hineinlesen:
- „Die Poren öffnen sich“: Poren haben keine Muskeln und lassen sich nicht auf- und zumachen. Ihr Inhalt wird durch Wärme und Feuchtigkeit lediglich weicher.
- Gegen Akne: Ein Dampfbad behandelt keine Akne. Bei entzündeten Pickeln und Pusteln kann die Wärme die Entzündung eher anfachen.
- „Entgiftung“: Über die Gesichtshaut wird nichts entgiftet; das erledigen Leber und Nieren.
- Feuchtigkeit: Der Eindruck praller Haut hält nur kurz. Verdunstet das Wasser, ohne dass anschließend eine Creme aufgetragen wird, ist die Haut danach eher trockener als zuvor.
Als gelegentliche Vorbereitung für eine gründliche Reinigung oder eine selbst gemachte Gesichtsmaske ist das Dampfbad eine angenehme Sache. Einmal pro Woche ist reichlich, bei trockener Haut eher seltener.
Wann lieber nicht?
Lassen Sie das Gesichtsdampfbad aus bei
- Rosacea und Couperose (erweiterte, sichtbare Äderchen, anhaltende Rötungen): Hitze weitet die Gefäße zusätzlich und kann Schübe auslösen.
- entzündeter Akne mit roten, schmerzhaften Pickeln oder Eiterbläschen.
- Neurodermitis, Ekzemen, Sonnenbrand, offenen oder frisch behandelten Hautstellen, etwa nach einem Fruchtsäurepeeling.
- sehr trockener oder empfindlicher Haut, die schon auf heißes Duschen mit Rötung reagiert.
- Asthma und empfindlichen Atemwegen mit ätherischen Ölen; Dampf mit klarem Wasser vertragen manche, aber nicht alle – im Zweifel vorher ärztlich fragen.
- Kreislaufproblemen oder wenn Ihnen in feuchter Hitze leicht schwindelig wird.
Wer nicht sicher ist, ob die eigenen Rötungen eine Rosacea sind, lässt das zuerst in der Hautarztpraxis klären.
Verbrühungsgefahr: Kinder nie über die Schüssel
Heißes Wasser in einer offenen Schüssel ist die eigentliche Gefahr bei diesem Hausmittel. Kippt die Schüssel, ergießt sich das Wasser über Bauch und Oberschenkel. Solche Verbrühungen treffen besonders häufig Kinder, deren Haut dünner ist und schon bei niedrigeren Temperaturen tiefer geschädigt wird. Deshalb gilt:
- Kinder machen kein Dampfbad über der Schüssel – auch nicht „kurz“ und auch nicht auf dem Schoß.
- Während Ihres Dampfbads sind kleine Kinder und Haustiere nicht im Raum; unter dem Handtuch sehen Sie nicht, wer am Tisch zieht.
- Nie mit sprudelnd kochendem Wasser arbeiten, die Schüssel nie tragen, während Sie das Handtuch über dem Kopf haben.
Ist es doch passiert: die Stelle sofort etwa 10 bis 15 Minuten mit lauwarmem bis kühlem Leitungswasser kühlen, kein Eis, keine Hausmittel wie Mehl oder Öl auftragen. Bei Kindern, bei Blasenbildung, bei Verbrühungen im Gesicht oder an größeren Flächen ärztliche Hilfe holen, im Notfall die 112 wählen.
Danach: mild pflegen statt drücken
Nach dem Dampfbad ist die Haut aufgequollen und empfindlich. Viele Anleitungen empfehlen, jetzt Mitesser auszudrücken. Davon ist abzuraten: Mit den Fingern gerät der Inhalt leicht tiefer ins Gewebe, es entstehen Entzündungen, im ungünstigen Fall Narben und dunkle Flecken. Wer hartnäckige Mitesser loswerden möchte, ist bei einer Kosmetikerin oder in der Hautarztpraxis besser aufgehoben.
Sinnvoll ist dagegen:
- lauwarm abspülen, nicht eiskalt „abschrecken“
- trocken tupfen, nicht rubbeln
- eine schlichte Feuchtigkeitspflege ohne viel Duft auftragen
- ein mildes Peeling oder eine Maske nur, wenn die Haut das Dampfbad gut vertragen hat – nicht beides hintereinander bei empfindlicher Haut
- einzelne Pickel in Ruhe lassen; was es mit dem Hausmittel Zinksalbe gegen Pickel auf sich hat, steht im eigenen Beitrag
Wann zum Arzt?
Ein Dampfbad ersetzt keine Behandlung von Hautkrankheiten. Zur Hautarztpraxis gehören Sie, wenn
- Akne entzündet ist, schmerzt, Knoten bildet oder Narben hinterlässt,
- Rötungen im Gesicht über Wochen bleiben oder schubweise wiederkehren,
- die Haut nach dem Dampfbad stark brennt, anschwillt oder einen Ausschlag bildet, der nach ein bis zwei Tagen nicht abklingt,
- nach dem Dampfbad mit Kräutern oder Ölen Atemnot, pfeifende Atmung oder Schwellungen im Gesicht auftreten – das ist ein Notfall für die 112.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Dampfbad fürs Gesicht dauern?
5 bis 10 Minuten genügen. Längere Dampfbäder bringen keinen zusätzlichen Reinigungseffekt, belasten aber die Hautbarriere und die feinen Gefäße im Gesicht.
Wie oft darf man ein Gesichtsdampfbad machen?
Höchstens einmal pro Woche, bei trockener oder empfindlicher Haut seltener. Wer nach dem Dampfbad länger als eine halbe Stunde gerötet bleibt, sollte es ganz lassen.
Welcher Zusatz ist bei unreiner Haut am besten?
Meist wird Kamille genannt, weil sie als mild gilt. Belegt ist eine Wirkung des Kamillendampfs auf unreine Haut nicht; klares Wasser erfüllt den Zweck ebenso. Bei entzündeten Pickeln ist das Dampfbad insgesamt nicht zu empfehlen.
Hilft ein Dampfbad gegen Mitesser?
Es weicht den Talg auf, entfernt Mitesser aber nicht. Eine regelmäßige milde Reinigung bringt auf Dauer mehr. Vom Ausdrücken nach dem Dampfbad ist wegen der Entzündungs- und Narbengefahr abzuraten.
Kann ich das Dampfbad auch bei Erkältung nutzen?
Zum Einatmen bei verstopfter Nase gelten dieselben Sicherheitsregeln, aber andere Zusätze und Abläufe. Lesen Sie dazu den Ratgeber zum Inhalieren mit Salz und beachten Sie: Kinder inhalieren nie über einer Schüssel mit heißem Wasser.



