Putz entfernen, aber richtig!

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Putz zu entfernen ist laute, staubige Knochenarbeit, und oft ist sie gar nicht nötig. Muss der Putz tatsächlich runter, entscheidet seine Art über das Werkzeug: Lockerer Putz fällt mit Hammer und Meißel, fest haftender Putz braucht eine Putzfräse oder einen Bohrhammer mit Spatmeißel, und Dekorputz auf Kunstharzbasis will eingeweicht und abgeschabt werden. Bevor Sie anfangen, sollten Sie zwei Dinge klären: ob Asbest im Spiel ist und wo die Leitungen liegen.
Muss der Putz wirklich runter?
Viele Wände werden vorschnell bis aufs Mauerwerk freigelegt. Das ist nur nötig, wenn der Putz seine Aufgabe nicht mehr erfüllt. Prüfen Sie ihn so:
- Klopfprobe: Klingt der Putz beim Abklopfen mit dem Hammerstiel hohl, hat er sich vom Mauerwerk gelöst. Hohlstellen werden abgeschlagen und neu verputzt.
- Kratzprobe: Lässt er sich mit dem Schraubendreher leicht auskratzen oder rieselt Sand, ist er mürbe.
- Wischprobe: Kreidet er stark ab, braucht er mindestens eine Grundierung.
- Feuchte und Salze: Weiße, flaumige Ausblühungen und abplatzender Putz im Sockelbereich deuten auf Feuchtigkeit und Salze im Mauerwerk. Dann hilft neuer Putz allein nicht, erst muss die Ursache behoben werden.
Für einen neuen Anstrich, eine Tapete oder Dämmplatten reicht bei tragfähigem Putz meist: Risse und Löcher ausbessern, Unebenheiten glätten, grundieren. Wie das Glätten geht, zeigt der Beitrag Putz schleifen.
Vorher klären: Asbest und Leitungen
Asbest: Bis zum Verbot 1993 wurde Asbest auch in manchen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern verwendet. Mit bloßem Auge erkennt man ihn nicht. Wer in einem älteren Gebäude Putz abschlägt, fräst oder schleift, setzt die Fasern frei. Lassen Sie deshalb vorher eine Probe in einem Labor untersuchen – die Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt informieren über das Vorgehen. Ist Asbest enthalten, gehört die Arbeit in die Hände eines zugelassenen Fachbetriebs.
Leitungen: In Altbauten liegen Stromkabel oft nur wenige Millimeter unter der Oberfläche direkt im Putz. Schalten Sie die Sicherungen für den Raum aus, prüfen Sie die Wand mit einem Leitungssucher und arbeiten Sie in der Nähe von Steckdosen und Schaltern besonders vorsichtig. Auch Wasser- und Heizungsrohre können im Putz verlaufen.
Welches Werkzeug für welchen Putz
| Werkzeug | Geeignet für | Bemerkung |
| Hammer und Meißel | Lockeren, hohlen Putz, kleine Flächen | Günstig, leise, aber anstrengend |
| Bohrhammer mit Spatmeißel | Festeren Putz, größere Flächen | Meißel 40–80 mm breit, Meißelfunktion ohne Drehung |
| Putz- oder Sanierungsfräse | Fest haftenden Putz, Farbschichten, Fliesenkleber | Schnell und gleichmäßig, mit Absaugung |
| Wandschleifer mit Diamant-Topfscheibe | Dünne Schichten, Glätten, Kleberreste | Für großen Abtrag zu langsam |
| Spachtel, Schaber, Multitool | Dekor- und Kunstharzputz | Vorher einweichen |
Eine Putzfräse lohnt sich vor allem bei ganzen Räumen. Für ein Wochenende ist Leihen oft sinnvoller als Kaufen. Mehr zur Technik steht im Ratgeber zur Putzfräse, ein konkretes Gerät zeigt der Beitrag zur Rotfuchs-Sanierungsfräse XM150.
Raum vorbereiten
- Möbel ausräumen, was bleibt, mit Malerfolie abdecken und abkleben.
- Böden mit fester Abdeckung schützen, Folie allein reißt unter Schutt.
- Türen mit Folie und Klebeband abdichten, am besten mit einer Staubschutztür mit Reißverschluss.
- Heizkörper abdecken, Rauchmelder im Raum abdecken und nach der Arbeit wieder freilegen.
- Einen stabilen Behälter oder Bauschuttsack bereitstellen. Putz ist schwer: Schutt gehört in den Bauschuttcontainer, nicht in die Restmülltonne.
Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören Schutzbrille, Atemschutzmaske mindestens FFP2, Gehörschutz bei Maschinen, Handschuhe und feste Schuhe. Einen Überblick gibt Das perfekte Heimwerker-Outfit.
Putz mit Hammer, Meißel oder Bohrhammer abschlagen
- Ansatzpunkt suchen. An einer Hohlstelle, einem Riss oder einer Kante beginnen. Dort löst sich der Putz am leichtesten.
- Meißel flach ansetzen. Den Meißel in flachem Winkel zwischen Putz und Mauerwerk treiben, nicht senkrecht in die Wand schlagen. So hebeln Sie den Putz ab, statt das Mauerwerk zu beschädigen.
- Von oben nach unten arbeiten. Der herabfallende Putz behindert sonst die weitere Arbeit.
- Mit dem Bohrhammer. Auf reine Meißelfunktion stellen, einen breiten Spatmeißel einsetzen und die Maschine die Arbeit machen lassen – nicht mit Gewalt drücken.
- Mauerwerk säubern. Reste mit einer groben Drahtbürste abbürsten, Fugen auskratzen und die Fläche abfegen oder absaugen.
Ecken und Kanten sind am empfindlichsten. Arbeiten Sie dort mit leichten Schlägen, sonst brechen Steine oder Laibungen aus.
Festen Putz mit der Putzfräse entfernen
Eine Putz- oder Sanierungsfräse arbeitet mit rotierenden Frässcheiben oder Hartmetallstiften hinter einer Absaughaube. Sie führen die Maschine mit beiden Händen in Bahnen über die Wand, die Frästiefe begrenzt den Abtrag. Das geht deutlich schneller als Meißeln und hinterlässt eine ebene Fläche. Wichtig sind ein Bausauger mit Feinstaubfilter und ein Filter, der regelmäßig abgereinigt wird. Ein Wandschleifer mit Diamant-Topfscheibe ist dagegen eher zum Glätten gedacht; für dicke Putzschichten ist er zu langsam. Ein Beispiel für ein Wandbearbeitungssystem für Heimwerker ist das Bosch PWR 180 CE.
Dekor- und Rollputz entfernen
Rollputz, Reibeputz und viele Dekorputze enthalten Kunstharz als Bindemittel. Sie sind elastischer und zäher als mineralischer Putz, Meißel und Fräse schmieren darin eher, als dass sie sauber abtragen. Bewährt hat sich:
- Einweichen. Die Fläche mehrmals mit warmem Wasser – gern mit Tapetenlöser – einsprühen oder mit einem nassen Schwamm tränken und einwirken lassen. Manche Kunstharzputze lassen sich auch mit einem Tapetenablöser mit Dampf anweichen.
- Abschaben. Mit einem breiten, scharfen Spachtel oder Stoßschaber in flachem Winkel abstoßen.
- Maschinell nachhelfen. Bei hartnäckigen Stellen hilft ein Multitool mit Schaberklinge oder ein elektrischer Schaber.
Je höher der Kunstharzanteil, desto schlechter wirkt das Einweichen. Grobkörnige Dekorputze lassen sich trocken auch mit einem Schleifer und grobem Schleifpapier abtragen – das staubt allerdings stark. Hier gilt der Asbesthinweis von oben ganz besonders, denn gerade Strukturputze und Spachtelmassen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren sind verdächtig.
Nach dem Entfernen
Ist das Mauerwerk frei, zeigt sich, was darunter los ist. Lose Steine und ausgewaschene Fugen werden ausgebessert, bevor neu verputzt wird. Je nach Untergrund und neuem Putz ist eine Grundierung oder ein Vorspritz nötig; die Angaben des Putzherstellers geben hier den Ausschlag. Wer Feuchteschäden als Ursache hatte, sollte sie zuerst beheben lassen – sonst ist der neue Putz in wenigen Jahren genauso kaputt.
Häufige Fragen
Wie entferne ich Putz am schnellsten?
Losen Putz mit dem Bohrhammer und einem breiten Spatmeißel, fest haftenden Putz mit einer Putz- oder Sanierungsfräse. Die Fräse ist die schnellste Methode für ganze Wände, verlangt aber eine gute Absaugung.
Kann ich Putz einfach abschleifen?
Dünne Schichten, Unebenheiten und Farbe ja. Dicken Putz komplett abzuschleifen dauert sehr lange und erzeugt enorm viel Staub. Dann ist Abschlagen oder Fräsen der bessere Weg.
Wie bekomme ich Dekorputz von der Wand?
Einweichen, mit einem scharfen Spachtel oder Stoßschaber abstoßen und hartnäckige Stellen mit einem Multitool nacharbeiten. Bei hohem Kunstharzanteil wirkt Wasser nur begrenzt.
Muss ich den Putz auf Asbest prüfen lassen?
In Gebäuden, die vor 1993 gebaut oder renoviert wurden, ist eine Laboruntersuchung einer Probe sinnvoll, bevor Sie Putz, Spachtel oder Fliesenkleber mechanisch bearbeiten. Das kostet wenig im Vergleich zu den Folgen einer Faserbelastung.



