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Nagellack aus Kleidung, Teppich und Möbeln entfernen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Reihe von Nagellackfläschchen in verschiedenen Farben
Aceton greift Acetat, manche Kunststoffe, Lacke und Leder an, deshalb vorher testen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Aceton oder acetonfrei – was im Entferner steckt
  2. Was Sie brauchen
  3. Nagellack aus Kleidung entfernen
  4. Nagellack im Teppich
  5. Möbel, Holz, Boden und Fliesen
  6. Ohne Nagellackentferner: was die Alternativen taugen
  7. Typische Fehler
  8. Häufige Fragen

Nagellack auf Kleidung oder Teppich lässt sich meist mit Nagellackentferner lösen – vorausgesetzt, das Material verträgt ihn. Denn was den Lack löst, löst auch Acetatstoffe, viele Kunststoffe, Möbellacke und die Farbschicht von Leder. Deshalb ist die wichtigste Regel: erst an einer verdeckten Stelle testen, dann tupfen, nie reiben. Und auf Holz, Leder oder Kunststoff ist Abwarten und vorsichtiges Ablösen oft klüger als jedes Lösemittel.

Aceton oder acetonfrei – was im Entferner steckt

Klassischer Nagellackentferner besteht vor allem aus Aceton, acetonfreie Sorten meist aus Ethylacetat oder ähnlichen Lösemitteln, dazu kommen oft pflegende Öle und Farbstoffe. Aceton wirkt schneller und stärker, ist aber auch aggressiver gegen Oberflächen. Acetonfreier Entferner ist milder, aber ebenfalls ein Lösemittel und nicht automatisch für alle Materialien unbedenklich.

Aceton löst Acetat und Triacetat auf. Diese Fasern stecken in Futterstoffen, glänzenden Blusen, Abendkleidern und manchen Schals. Der Stoff wird an der Stelle weich, klebrig oder bekommt ein Loch. Ebenso empfindlich sind viele Kunststoffe (etwa Acrylglas und manche Gehäuse), lackierte Möbel, Laminatkanten, Kunstleder und Glattleder. Schauen Sie aufs Etikett und testen Sie immer an einer Stelle, die niemand sieht.

Nagellackentferner ist leicht entzündlich. Arbeiten Sie nur bei offenem Fenster, nicht in der Nähe von Kerzen, Gasherd oder Zigaretten, und schließen Sie die Flasche gleich wieder.

Was Sie brauchen

  • Nagellackentferner, farblos und ohne Pflegeöle (Farbstoff und Öl können selbst Flecken machen)
  • Wattestäbchen, Wattepads und helle Tücher oder Küchenpapier
  • einen Löffel oder Plastikspatel zum Abheben
  • Handspülmittel oder Gallseife zum Nachwaschen
  • für den Test: eine verdeckte Stelle, etwa die Nahtzugabe oder die Unterseite eines Kissens

Nagellack aus Kleidung entfernen

  1. Etikett prüfen. Steht Acetat oder Triacetat darauf, keinen Nagellackentferner verwenden und das Stück in die Reinigung geben.
  2. Überschuss abheben. Frischen Lack mit einem Löffel oder Papier vorsichtig aufnehmen. Nicht wischen, sonst verteilt sich die Farbe im Gewebe.
  3. Test an verdeckter Stelle. Etwas Entferner innen am Saum auftupfen und einige Minuten warten. Verfärbt sich der Stoff, wird er weich oder färbt er auf das Tuch ab, abbrechen. Nagellackentferner kann auch Textilfarben lösen.
  4. Tuch unterlegen und von hinten tupfen. Ein gefaltetes Küchenpapier auf die Vorderseite legen, den Stoff wenden und den Fleck von der Rückseite mit einem getränkten Wattepad betupfen. So wird der Lack aus dem Gewebe in das Papier gedrückt. Die Unterlage wechseln, sobald sie Farbe angenommen hat.
  5. Geduld. Mit frischen Wattepads wiederholen, bis kaum noch Farbe übergeht.
  6. Auswaschen. Die Stelle mit Spülmittel oder Gallseife auswaschen, damit keine Lösemittelreste bleiben, und das Kleidungsstück normal waschen. Erst nach dem Lufttrocknen beurteilen.

Eingetrockneter Nagellack auf Stoff lässt sich schwerer lösen, weil er zu einer festen Schicht geworden ist. Weichen Sie ihn mit mehrmaligem Tupfen an und lösen Sie ihn Stück für Stück. Oft bleibt bei hellen Stoffen ein farbiger Schatten zurück. Glitzerpartikel sitzen besonders fest und lassen sich manchmal nur mit einer Pinzette oder einem Klebeband herauszupfen.

Nagellack im Teppich

Im Teppich geht es darum, den Lack aus dem Flor zu holen, ohne die Fasern zu schmelzen. Viele Teppiche bestehen aus Polyamid oder Polypropylen und vertragen etwas Nagellackentferner, manche Rückenbeschichtungen und Kleber dagegen nicht. Deshalb auch hier zuerst an einer versteckten Ecke testen.

  1. Frischen Lack abnehmen, ohne ihn in die Tiefe zu drücken: mit Küchenpapier aufsaugen, von außen nach innen.
  2. Entferner sparsam auftupfen, mit einem Wattepad oder hellen Tuch. Nie direkt aus der Flasche gießen, sonst läuft das Lösemittel in den Rücken.
  3. Aufnehmen, nicht reiben. Mit einem sauberen Tuch tupfen, bis keine Farbe mehr übergeht.
  4. Mit Spülmittelwasser nachtupfen, dann mit klarem Wasser und trocken tupfen.

Ist der Lack schon hart, können Sie einzelne verklebte Fasern vorsichtig mit einer kleinen Schere kürzen. Bei Wollteppichen, Hochflor und wertvollen Stücken ist ein Teppichreiniger vom Fach die sicherere Adresse. Weitere Hinweise stehen im Beitrag über Flecken im Teppich.

Möbel, Holz, Boden und Fliesen

Auf lackierten und geölten Möbeln ist Nagellackentferner fast immer eine schlechte Idee, weil er den Möbellack gleich mit anlöst. Lassen Sie einen frischen Tropfen stattdessen trocknen und heben Sie ihn dann vorsichtig mit dem Fingernagel oder einem Plastikspatel ab. Auf glatten Oberflächen haftet getrockneter Nagellack oft schlecht und springt in einem Stück ab. Was sich nicht lösen lässt, ist ein Fall für einen Möbelpfleger.

  • Fliesen, Glas, Keramik, Spiegel: vertragen Nagellackentferner in der Regel. Kurz einwirken lassen, abwischen, mit Wasser nachwischen. An Fliesenfugen können Farbstoffe einziehen; hier eher mit einem Wattestäbchen arbeiten.
  • Laminat und Vinyl: vorsichtig, nur sparsam und kurz, vorher an einer versteckten Stelle testen. Die Nutzschicht ist unterschiedlich empfindlich.
  • Kunststoffe: Viele lösen sich an. Plastikgehäuse, Brillengläser und Acrylglas bekommen matte oder klebrige Stellen.
  • Leder: keinen Entferner. Er löst die Farbschicht und hinterlässt helle Flecken. Frischen Lack vorsichtig abnehmen und trocknen lassen, dann abheben, sonst den Lederfachbetrieb fragen.

Ohne Nagellackentferner: was die Alternativen taugen

Häufig gefragt, aber selten befriedigend beantwortet. Alkohol wie Isopropanol oder Spiritus löst frischen Nagellack teilweise, auf eingetrocknetem wirkt er kaum. Haarspray enthält Alkohol, aber auch Harze und Pflegestoffe, die selbst Rückstände hinterlassen können. Parfum ist schlicht zu teuer für den Zweck. Essig und Zitrone helfen gegen Nagellack gar nicht.

Wer Nagellackentferner meiden will, weil der Stoff ihn nicht verträgt, ist mit der Reinigung besser beraten als mit Hausmitteln. Einen Überblick über andere Lösemittel-Flecken finden Sie bei Kugelschreiberflecken und Edding.

Typische Fehler

  • Wischen statt tupfen – der Lack wird zum großen, flachen Fleck.
  • Farbigen oder ölhaltigen Entferner verwenden. Er kann selbst einen Rand hinterlassen.
  • Ohne Test auf Acetat, Kunststoff oder Lack arbeiten.
  • Heiß waschen oder bügeln, bevor der Lack draußen ist.
  • In geschlossenen Räumen mit viel Lösemittel hantieren.

Alle Fleckenanleitungen sammelt die Übersicht Flecken entfernen.

Häufige Fragen

Wie bekomme ich Nagellack aus Kleidung?

Überschuss abheben, an einer verdeckten Stelle den Entferner testen und den Fleck dann von der Rückseite mit einem getränkten Wattepad tupfen, mit Küchenpapier darunter. Danach mit Spülmittel auswaschen und normal waschen. Bei Acetat und Triacetat kein Nagellackentferner.

Verfärbt Nagellackentferner die Kleidung?

Das kann passieren. Aceton und andere Lösemittel können Textilfarben lösen und helle Ränder hinterlassen, Acetatstoffe werden sogar angelöst. Deshalb vorher an einer verdeckten Stelle testen und farblosen Entferner ohne Öl verwenden.

Wie bekomme ich Nagellack aus dem Teppich?

Frischen Lack mit Küchenpapier aufnehmen, dann Entferner sparsam auf ein Tuch geben und von außen nach innen tupfen. Mit Spülmittelwasser und klarem Wasser nacharbeiten. Vorher an einer versteckten Stelle testen, weil manche Teppichrücken empfindlich reagieren.

Wie entferne ich UV-Nagellack von Textilien?

Ausgehärteter UV- oder Gel-Lack ist ein vernetzter Kunststoff und lässt sich aus Stoff kaum noch lösen. Solange er nicht ausgehärtet ist, lässt er sich mit Küchenpapier aufnehmen und mit Alkohol oder Entferner nachtupfen. Deshalb nach dem Lackieren erst unter der Lampe härten, dann an die Kleidung.