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Lüften im Sommer: wann die Fenster auf dürfen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Weit geöffnete Fensterflügel mit Blick in eine Landschaft
Im Sommer gehören die Fenster morgens und nachts auf, tagsüber zu
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wann die Fenster auf dürfen
  2. Warum es im Sommer länger dauert
  3. Durchzug statt Kippstellung
  4. Schwüle Tage: was der Taupunkt verrät
  5. Die Ausnahme: Keller und Souterrain
  6. Bad, Küche und Wäsche
  7. Nachts lüften: Insekten, Lärm, Pollen, Sicherheit
  8. Häufige Fragen

Beim Lüften im Sommer gilt eine einfache Regel: Die Fenster gehen auf, sobald es draußen kühler ist als drinnen, und wieder zu, bevor sich das umkehrt. In der Praxis heißt das spät abends, nachts und früh am Morgen. An schwülen Tagen und in kühlen Räumen wie dem Keller kommt ein zweiter Maßstab dazu – die Feuchtigkeit der Außenluft.

Wann die Fenster auf dürfen

SituationFensterWarum
früher Morgen, draußen kühler als drinnenweit auf, Durchzugkühlste Stunden des Tages
Vormittag bis Abend, draußen wärmerzu, Sonnenschutz untenjede offene Scheibe holt Wärme herein
nach dem Duschen oder Kochenkurz weit auf, danach wieder zuFeuchtigkeit muss hinaus, auch mittags
spät abends, draußen kühler als drinnenweit aufWände und Möbel geben Wärme ab
nachtsmöglichst lange offennur lange Lüftung kühlt die Bausubstanz
schwüle Nacht, draußen kaum kühlerWohnräume ja, Keller neinfeuchte Luft kondensiert an kühlen Flächen
Gewitter, StarkregenzuSchlagregen, Zugluft, Wasserschaden

Die Uhrzeit ist dabei nur ein Anhaltspunkt. In einer Hitzewelle ist es draußen oft erst gegen Mitternacht kühler als in der Wohnung, nach einem Gewitter schon am Nachmittag. Ein Außenthermometer im Schatten oder die Wetter-App nimmt Ihnen das Raten ab. Was außer Lüften gegen die Hitze hilft – Sonnenschutz, Wärmequellen, kühles Schlafen –, steht im Beitrag Wohnung kühlen ohne Klimaanlage.

Warum es im Sommer länger dauert

Im Winter ist ein Raum in wenigen Minuten durchgelüftet, weil der große Temperaturunterschied die Luft antreibt: Warme Luft strömt oben hinaus, kalte unten herein. Im Sommer fehlt dieser Antrieb weitgehend. Der Luftaustausch dauert bei gleichem Fenster ein Vielfaches – und er ist nur die halbe Arbeit.

Denn die Wärme steckt nicht in der Luft, sondern in Wänden, Decken und Möbeln. Frische Luft im Zimmer ist nach kurzer Zeit wieder so warm wie die Wände um sie herum. Abkühlen lässt sich eine Wohnung nur durch stundenlanges Lüften in der Nacht, bei dem die kühle Luft immer wieder an den warmen Flächen vorbeistreicht. Zehn Minuten am Abend erfrischen, senken die Temperatur am nächsten Tag aber nicht.

Durchzug statt Kippstellung

Ein gekipptes Fenster lässt nur einen Spalt frei; ohne Temperaturgefälle bewegt sich dort kaum etwas. Wirksam ist Querlüften: Fenster an gegenüberliegenden Seiten der Wohnung weit öffnen, Zimmertüren dazwischen offen halten und mit einem Keil sichern, damit sie nicht zuschlagen.

Hat die Wohnung Fenster nur auf einer Seite, hilft der Höhenunterschied. Wer ein Dachfenster, ein Oberlicht oder das Treppenhausfenster oben öffnen kann und unten ein weiteres, nutzt den Kamineffekt: Die warme Luft zieht oben ab und saugt kühle nach. In Wohnungen ohne jede zweite Öffnung kann ein Ventilator im Fenster den Austausch anschieben; wie er dafür stehen muss, erklärt der Beitrag Ventilator richtig aufstellen. Für Wohnungen unter dem Dach, in denen sich die Wärme besonders staut, gibt es einen eigenen Ratgeber: Dachgeschosswohnung kühlen.

Schwüle Tage: was der Taupunkt verrät

An trockenen Sommertagen genügt der Blick aufs Thermometer. An schwülen Tagen bringt die Außenluft außer Wärme auch viel Wasser mit, und dann hilft ein Wert, den jede bessere Wetter-App anzeigt: der Taupunkt.

Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft abkühlen müsste, damit ihr Wasserdampf zu kondensieren beginnt. Er ist ein Maß dafür, wie viel Wasser tatsächlich in der Luft steckt – anders als die relative Feuchte, die mit der Temperatur schwankt. Einige Beispiele:

  • 20 °C und 50 Prozent Feuchte: Taupunkt etwa 9 °C
  • 25 °C und 60 Prozent: Taupunkt etwa 17 °C
  • 30 °C und 50 Prozent: Taupunkt etwa 18 °C
  • 30 °C und 60 Prozent: Taupunkt etwa 21 °C

Daraus ergibt sich die Regel: Jede Fläche, die kälter ist als der Taupunkt der hereinströmenden Luft, wird nass. Bei einem Taupunkt von 21 °C beschlägt nicht nur die kalte Getränkeflasche, sondern auch die Kellerwand mit 15 °C, das Kaltwasserrohr und der Fliesenboden im Souterrain.

Für Wohnräume in den oberen Etagen ist das selten ein Problem, weil dort im Sommer alle Flächen wärmer sind als der Taupunkt. Die Luft fühlt sich dann drückend an, richtet aber keinen Schaden an. Ab einem Taupunkt von etwa 16 °C empfinden die meisten Menschen die Luft als schwül. Liegt er draußen deutlich höher als drinnen, lohnt es sich an solchen Tagen, kürzer zu lüften und abzuwarten, bis ein Wetterwechsel trockenere Luft bringt.

Wie hoch die Luftfeuchte in der Wohnung sein sollte und wie Sie sie messen, steht unter Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.

Die Ausnahme: Keller und Souterrain

Der häufigste Sommerfehler passiert im Keller. Weil es dort muffig riecht, wird an warmen Tagen das Fenster geöffnet – „damit es mal durchtrocknet“. Das Gegenteil geschieht: Die warme, feuchte Außenluft kühlt an den kalten Kellerwänden ab und gibt ihr Wasser dort ab. Die Wände werden feuchter, nicht trockener, und der Geruch nimmt zu.

Kellerfenster bleiben deshalb im Sommer tagsüber geschlossen. Gelüftet wird nur, wenn die Außenluft kühler ist als die Kellerluft, also in kühlen Nächten und am frühen Morgen, an heißen und schwülen Tagen besser gar nicht. Dasselbe gilt für Souterrainwohnungen, ebenerdige Abstellräume an der Nordseite und Garagen mit eingelagerten Sachen. Die genaue Vorgehensweise steht unter Keller lüften, Hilfe gegen den Geruch unter Keller riecht muffig.

Bad, Küche und Wäsche

Feuchtigkeit aus der Wohnung muss auch bei Hitze hinaus. Nach dem Duschen und Kochen lüften Sie kurz und kräftig – fünf bis zehn Minuten bei weit geöffnetem Fenster und geschlossener Zimmertür – und schließen dann wieder. Der Wärmeeintrag in dieser kurzen Zeit ist gering, der Nutzen groß. Ein Bad ohne Fenster ist auf den Lüfter angewiesen, der dann länger nachlaufen sollte.

Wäsche trocknet im Sommer am besten draußen. In der Wohnung erhöht sie die Luftfeuchte und macht die Wärme drückender. Spülmaschine und Waschmaschine laufen am sinnvollsten spät abends, wenn ohnehin die Fenster offen stehen.

Nachts lüften: Insekten, Lärm, Pollen, Sicherheit

Dass viele Wohnungen im Sommer zu warm bleiben, liegt selten an Unwissen, sondern daran, dass offene Fenster nachts stören. Für die häufigsten Hindernisse gibt es Auswege:

  • Insekten. Ein Fliegengitter mit Spannrahmen lässt sich ohne Bohren einhängen und nimmt wenig Luft weg. Licht aus, bevor das Fenster aufgeht. Mehr unter Mücken im Schlafzimmer.
  • Lärm. Wenn das Schlafzimmer zur Straße liegt, lüften Sie über die ruhige Seite und lassen die Zimmertür offen. Abends und früh morgens möglichst lange alles öffnen.
  • Pollen. Wann am wenigsten Pollen fliegen, hängt von Wohnort und Wetter ab; Pollenschutzgitter halten einen Teil zurück. Nach einem Regenschauer ist die Luft am saubersten.
  • Einbruch. Im Erdgeschoss und an leicht erreichbaren Fenstern bleibt nachts und bei Abwesenheit nichts offen oder gekippt; ein gekipptes Fenster gilt für Einbrecher als offenes. Lüften Sie dort, solange Sie wach und im Raum sind.
  • Gewitter. Bei angekündigtem Unwetter schließen Sie vor dem Schlafengehen die Fenster auf der Wetterseite und alle Dachfenster.

Häufige Fragen

Zu welcher Uhrzeit sollte man im Sommer lüften?

Dann, wenn es draußen kühler ist als drinnen – meist zwischen spätem Abend und etwa sieben oder acht Uhr morgens. An heißen Tagen verschiebt sich der Beginn bis gegen Mitternacht.

Soll man im Sommer tagsüber die Fenster schließen?

Ja, zusammen mit Rollläden oder Vorhängen. Ausgenommen ist kurzes Stoßlüften nach dem Duschen und Kochen.

Wie lange muss man im Sommer lüften?

Für frische Luft etwa 20 bis 30 Minuten bei weit geöffnetem Fenster, mit Durchzug kürzer. Zum Abkühlen der Wohnung so lange wie möglich, am besten die ganze Nacht.

Sollte man bei schwüler Luft lüften?

Wohnräume ja, sobald es draußen kühler ist; frische Luft brauchen Sie trotzdem. Keller und andere kühle Räume bleiben bei Schwüle geschlossen.

Warum wird der Keller im Sommer feucht, obwohl ich lüfte?

Weil die warme Außenluft an den kalten Wänden unter ihren Taupunkt abkühlt und Wasser abgibt. Im Sommer lüften Sie den Keller nur in kühlen Nächten oder am frühen Morgen.