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Keller lüften: wann es hilft und wann es schadet

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Kleines Kellerfenster in einer Backsteinwand
Im Sommer bringt ein offenes Kellerfenster oft Feuchte hinein statt hinaus
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die Lüftungsregel nach Jahreszeit
  2. Warum Sommerluft den Keller nass macht
  3. Der Taupunkt, einfach erklärt
  4. So entscheiden Sie am Fenster
  5. Sommer: wann die Fenster zu bleiben
  6. Herbst bis Frühjahr: jetzt wird getrocknet
  7. Sonderfälle: beheizte Kellerräume und Waschkeller
  8. Wo Lüften nicht mehr hilft
  9. Häufige Fragen

Keller lüften ist richtig, solange die Luft von draußen trockener ist als die im Keller – und falsch, sobald sie mehr Wasser mitbringt, als sie mitnimmt. Im Winterhalbjahr trocknet Lüften den Keller fast immer. An warmen Sommertagen passiert das Gegenteil: Die warme Luft kühlt an den kalten Wänden ab und lädt dort ihr Wasser ab. Die Regel lautet deshalb: im Sommer tagsüber Fenster zu, im Winter kurz und kräftig lüften.

Die Lüftungsregel nach Jahreszeit

JahreszeitWann lüften?Wie?
Sommer, warme und schwüle Tagetagsüber gar nicht; höchstens spät nachts oder früh am Morgenkurz querlüften, danach Fenster und Türen schließen
Sommer, kühle und trockene Tagemorgens, solange es draußen kühler ist als im KellerStoßlüften, einige Minuten Durchzug
Frühjahr und Herbstan kühlen Tagen jederzeit, an milden und feuchten Tagen morgensStoßlüften, im Zweifel erst messen
Winterjederzeit, gern täglichwenige Minuten weit öffnen, nicht kippen

Die Verbraucherzentrale empfiehlt für Keller und Souterrainwohnungen im Sommer ebenfalls die kühleren Morgen- oder Abendstunden und nennt die Bedingung dahinter: Lüften trocknet nur, wenn die Außenluft weniger Wasserdampf enthält als die Innenluft. Auch das Umweltbundesamt rät, Kellerräume im Sommer nur nachts oder früh am Morgen zu lüften.

Warum Sommerluft den Keller nass macht

Warme Luft kann viel mehr Wasserdampf tragen als kalte. Ein Kellerraum, dessen Wände im Erdreich stecken, bleibt auch im Hochsommer kühl; die Wandoberflächen sind oft deutlich kälter als die Luft draußen. Strömt nun an einem warmen Tag Luft durch das offene Kellerfenster, kühlt sie an Wand, Boden und Wasserleitungen ab. Dabei verliert sie ihre Fähigkeit, das Wasser zu halten, und es bleibt als feiner Film auf der Oberfläche zurück. Fachleute nennen das Sommerkondensation.

Das Tückische daran: Man sieht es meist nicht. Die Wand glänzt selten nass, sie wird nur etwas dunkler und fühlt sich klamm an. Kartons werden weich, Wäsche trocknet nicht mehr, auf Lederschuhen wächst ein grauer Flaum. Wer im Juli den Keller „mal richtig durchlüftet“, trägt mit jedem Kubikmeter Luft Wasser hinein. Was aus der Feuchtigkeit dann wird – Geruch, Schimmel, modrige Lagerware –, behandelt der Beitrag Keller riecht muffig. Hier geht es um die Regel, mit der es gar nicht erst so weit kommt.

Der Taupunkt, einfach erklärt

Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die man Luft abkühlen muss, damit sie Wasser abgibt. Er hängt davon ab, wie viel Wasserdampf in der Luft steckt. Eine Flasche aus dem Kühlschrank zeigt das Prinzip: Im Sommer beschlägt sie sofort, weil ihre Oberfläche kälter ist als der Taupunkt der Raumluft. Die Kellerwand ist nichts anderes als eine sehr große, mäßig kalte Flasche.

Die Tabelle zeigt gerundete Rechenwerte für typische Wetterlagen:

AußenluftTaupunkt etwaFolge für eine Kellerwand mit 15 °C
30 °C, 60 % relative Feuchte21 °CWasser schlägt sich nieder
25 °C, 60 %17 °CWasser schlägt sich nieder
20 °C, 70 %14 °Cknapp darunter, die Wand trocknet kaum
15 °C, 80 %12 °CLüften trocknet langsam
5 °C, 90 %3 °CLüften trocknet gut
0 °C, 80 %minus 3 °CLüften trocknet sehr gut

Zwei Dinge fallen auf. Erstens sagt die relative Feuchte allein wenig: Winterluft mit 90 % ist viel trockener als Sommerluft mit 60 %, weil kalte Luft insgesamt kaum Wasser enthält. Zweitens entscheidet nicht die Lufttemperatur im Keller, sondern die Temperatur der kältesten Fläche. Kondensiert wird zuerst dort: unten an der Außenwand, in Ecken, am Boden und an der Kaltwasserleitung.

Außerdem beginnt das Problem schon vor dem sichtbaren Tauwasser. Schimmel kann an kalten Wandflächen nach Angaben der Verbraucherzentrale bereits wachsen, wenn die Luft direkt an der Oberfläche etwa 70 bis 80 % relative Feuchte erreicht. Ein paar Grad Sicherheitsabstand zum Taupunkt sind deshalb sinnvoll.

So entscheiden Sie am Fenster

  1. Zwei Messgeräte besorgen. Ein Thermo-Hygrometer mit Außenfühler zeigt Temperatur und Feuchte für Keller und Außenluft. Manche Geräte rechnen den Taupunkt gleich mit aus; sonst liefert ihn die Wetter-App für Ihren Ort.
  2. Wandtemperatur schätzen. Legen Sie ein Thermometer für eine halbe Stunde direkt an die untere Außenwand. Der Wert ändert sich über Wochen nur langsam, eine Messung im Monat genügt.
  3. Vergleichen. Liegt der Taupunkt der Außenluft mehrere Grad unter der Wandtemperatur, lüften Sie. Liegt er in der Nähe oder darüber, bleibt das Fenster zu.
  4. Ohne Messgerät die grobe Regel nehmen. Ist es draußen wärmer als im Keller, nicht lüften. Ist es draußen spürbar kühler, lüften. An schwülen Tagen und bei Gewitterluft bleibt das Fenster auch abends zu.
  5. Kurz und vollständig lüften. Zwei gegenüberliegende Fenster oder Fenster und Tür weit öffnen, nach einigen Minuten wieder schließen.

Sommer: wann die Fenster zu bleiben

Von etwa Mai bis September gilt tagsüber: Kellerfenster, Lichtschachtklappen und die Außentür bleiben geschlossen. Das fällt schwer, weil der Keller dann gerade muffig riecht und man instinktiv lüften möchte. Lüften Sie stattdessen in den Stunden vor Sonnenaufgang oder am sehr frühen Morgen – und auch dann nur, wenn die Nacht wirklich abgekühlt hat. Nach tropischen Nächten lohnt es sich nicht.

Halten Sie auch die Tür zwischen Keller und Treppenhaus geschlossen. Sonst zieht die warme Luft aus dem Haus nach unten, und der Effekt ist derselbe wie beim offenen Fenster. Was für die Wohnräume im Sommer gilt, steht im Beitrag Lüften im Sommer.

Trocknet im Sommer Wäsche im Keller oder ist die Feuchte trotz geschlossener Fenster zu hoch, hilft nur Technik: ein Kondensationsentfeuchter mit Hygrostat. Was der im Betrieb kostet, rechnet der Beitrag Luftentfeuchter: Stromverbrauch und Kosten vor.

Herbst bis Frühjahr: jetzt wird getrocknet

Sobald die Außentemperaturen dauerhaft unter die Kellertemperatur fallen, dreht sich die Lage. Kalte Luft bringt wenig Wasser mit, erwärmt sich im Keller und nimmt beim Hinausströmen Feuchtigkeit mit. Jetzt holen Sie nach, was im Sommer nicht ging: regelmäßig für einige Minuten weit öffnen, am besten mit Durchzug. Die Verbraucherzentrale nennt für Wohnräume im Winter drei bis fünf Minuten Stoßlüften; im Keller ist das ein brauchbarer Anhaltspunkt.

Dauerhaft gekippte Fenster sind auch im Winter keine gute Idee. Der Luftaustausch ist gering, die Wand rund um das Fenster kühlt aber stark aus, und bei Frost können Leitungen in Fensternähe einfrieren. Wer im Keller Vorräte lagert, bekommt durch Stoßlüften außerdem gleichmäßigere Temperaturen.

Sonderfälle: beheizte Kellerräume und Waschkeller

Ein ausgebauter, beheizter Kellerraum hat wärmere Wände und verhält sich eher wie ein Wohnraum. Im Winter lüften Sie ihn wie die übrige Wohnung, siehe richtig lüften. Im Sommer bleibt die Vorsicht bestehen, denn die Wände im Erdreich sind auch dort kühler als im Obergeschoss. Stellen Sie Möbel einige Zentimeter von den Außenwänden ab.

Im Waschkeller entsteht die Feuchtigkeit im Raum selbst. Hier muss sie hinaus, auch im Sommer: nach dem Aufhängen kurz querlüften, wenn die Außenluft es zulässt, sonst mit einem Entfeuchter arbeiten. Ein Ablufttrockner braucht seinen Schlauch ins Freie; ohne ihn bläst er die gesamte Feuchtigkeit in den Raum.

Wo Lüften nicht mehr hilft

Lüften beseitigt Feuchtigkeit aus der Luft, nicht aus dem Mauerwerk. Nasse Flecken, die nach Regen größer werden, abplatzender Putz oder weiße Salzränder deuten auf eindringendes oder aufsteigendes Wasser. Dann ist die Abdichtung ein Fall für Sachverständige oder einen Fachbetrieb, in der Mietwohnung für den Vermieter. Die Verbraucherzentrale rät, bei starker Feuchte oder größeren Schimmelflächen immer auch die äußere Abdichtung prüfen zu lassen. Sichtbaren Befall behandelt der Beitrag Schimmel in der Wohnung.

Häufige Fragen

Soll man den Keller im Sommer überhaupt lüften?

Ja, aber selten und zur richtigen Zeit: in kühlen Nächten oder am frühen Morgen, kurz und mit Durchzug. Tagsüber und an schwülen Tagen bleiben Fenster und Türen zu.

Kellerfenster im Winter auf oder zu?

Zu, mit täglichem Stoßlüften. Kurzes, weites Öffnen tauscht die Luft, ohne die Wände auszukühlen. Bei strengem Frost genügen wenige Minuten.

Kann man das Kellerfenster dauerhaft gekippt lassen?

Besser nicht. Im Sommer strömt den ganzen Tag feuchte Warmluft herein, im Winter kühlt die Fensterlaibung aus. Beides fördert Feuchte an der Wand.

Welche Luftfeuchtigkeit ist im Keller in Ordnung?

In unbeheizten Kellern sind Werte um 60 % üblich; dauerhaft über 70 % wird Schimmel wahrscheinlich. Die Verbraucherzentrale empfiehlt für Wohnräume 40 bis 60 %. Eine genauere Einordnung der Werte finden Sie unter Keller riecht muffig.

Gibt es Lüfter, die das selbst regeln?

Ja. Taupunktgesteuerte Kellerlüfter messen innen und außen und laufen nur, wenn die Außenluft trockener ist. Die Verbraucherzentrale nennt solche Geräte als Möglichkeit für gefährdete Kellerräume. Der Einbau in die Außenwand und der Anschluss gehören in Fachhand.