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Sicherung fliegt raus: Ursache eingrenzen und richtig reagieren

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Geöffneter Sicherungskasten mit Reihen von Schaltern
Im Sicherungskasten zeigt der umgelegte Schalter, welcher Stromkreis betroffen ist
Inhalt8 Abschnitte
  1. Sicherung oder FI-Schalter – welcher ist gefallen?
  2. Überlast oder Kurzschluss: der Zeitpunkt verrät es
  3. Die typischen Auslöser
  4. Schritt für Schritt: die Ursache eingrenzen
  5. Was Sie nie tun dürfen
  6. Wann der Elektrofachbetrieb kommen muss
  7. So beugen Sie vor
  8. Häufige Fragen

Wenn die Sicherung rausfliegt, hat sie getan, wofür sie da ist: Durch die Leitung floss mehr Strom, als sie auf Dauer verträgt. Dafür gibt es zwei Gründe – zu viele starke Geräte an einem Stromkreis oder einen Kurzschluss in einem Gerät, einem Kabel oder der Installation. Welcher von beiden vorliegt, finden Sie mit einer einfachen Reihenfolge heraus, ohne irgendetwas aufzuschrauben.

Sicherung oder FI-Schalter – welcher ist gefallen?

Sehen Sie zuerst im Sicherungskasten nach, welcher Schalter unten steht. Davon hängt alles Weitere ab.

MerkmalSicherung (Leitungsschutzschalter)FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter, RCD)
Aussehenschmal, ein Hebel, Aufdruck wie B16breiter, mit Prüftaste „T“
Reagiert aufÜberlast und KurzschlussFehlerstrom, der über Schutzleiter, Erde oder einen Menschen abfließt
SchütztLeitungen vor Überhitzung und BrandMenschen vor einem gefährlichen Stromschlag
Betroffenein Stromkreis, etwa ein Zimmermeist mehrere Stromkreise oder die ganze Wohnung

Dieser Beitrag behandelt die Sicherung. Ist der breite Schalter mit der Prüftaste gefallen, lesen Sie unter FI-Schalter fliegt raus weiter – die Ursachen sind andere.

In älteren Häusern gibt es statt der Kippschalter noch Schraubsicherungen mit Porzellankörper. Sie schmelzen beim Auslösen durch und müssen ersetzt werden, immer durch eine Sicherung derselben Stärke. Niemals wird eine Schmelzsicherung geflickt oder durch eine stärkere ersetzt.

Überlast oder Kurzschluss: der Zeitpunkt verrät es

Überlast. Die Sicherung hält zunächst und fällt erst nach Sekunden oder Minuten, typischerweise wenn ein weiteres Gerät eingeschaltet wird. Die Leitung ist in Ordnung, es hängt nur zu viel daran.

Kurzschluss. Die Sicherung fällt schlagartig, oft mit einem Knall oder Funken am Gerät, und zwar in dem Moment, in dem ein bestimmtes Gerät eingeschaltet oder eingesteckt wird. Lässt sie sich gar nicht mehr einschalten, besteht der Kurzschluss weiter.

Die typischen Auslöser

Ein üblicher Stromkreis für Steckdosen ist mit 16 Ampere abgesichert. Bei 230 Volt entspricht das einer Dauerlast von gut 3.600 Watt für alle Geräte zusammen, die an diesem Stromkreis hängen – und das sind häufig sämtliche Steckdosen eines Raums oder mehrerer Räume.

  • Wasserkocher und Mikrowelle an einer Leitung. Ein Wasserkocher zieht oft über 2.000 Watt. Kommen Mikrowelle, Toaster oder Kaffeemaschine dazu, ist die Grenze schnell überschritten. In der Küche älterer Wohnungen ist das der Klassiker.
  • Heizlüfter, Bügeleisen, Staubsauger. Alles, was Wärme erzeugt oder einen kräftigen Motor hat, belastet die Leitung stark. Zwei davon gleichzeitig an einem Stromkreis genügen oft.
  • Mehrfachsteckdosen. Eine Steckdosenleiste vermehrt die Steckplätze, nicht die Leistung. Hintereinandergesteckte Leisten sind zusätzlich ein Brandrisiko.
  • Ein defektes Gerät. Durchgescheuerte Kabel, ein gebrochener Stecker, Wasser im Gerät oder ein durchgebranntes Heizelement führen zum Kurzschluss.
  • Die durchbrennende Glühlampe. Brennt eine Glüh- oder Halogenlampe durch, kann im letzten Moment ein Lichtbogen entstehen, der die Sicherung auslöst. Nach dem Lampentausch ist alles wieder in Ordnung.
  • Hoher Einschaltstrom. Manche Geräte mit Motor oder großem Netzteil ziehen im ersten Augenblick ein Vielfaches ihres normalen Stroms. Fällt die Sicherung nur beim Einschalten eines bestimmten, sonst intakten Geräts, kann das der Grund sein – das beurteilt der Elektriker.

Wie viel ein Gerät tatsächlich zieht, steht auf dem Typenschild; genauer lässt es sich mit einem Zwischenstecker ermitteln, wie unter Stromverbrauch messen beschrieben.

Schritt für Schritt: die Ursache eingrenzen

Vorab: Riecht es verschmort, ist eine Steckdose, ein Stecker oder der Sicherungskasten warm oder verfärbt, hören Sie es knistern – dann lassen Sie die Sicherung aus und rufen Sie einen Elektrofachbetrieb. Suchen Sie in diesem Fall nicht selbst weiter.

  1. Alle Geräte des Stromkreises ausschalten und abstecken. Stecker ziehen, nicht nur am Schalter ausschalten. Gehen Sie durch die Räume, in denen der Strom weg ist, und vergessen Sie Geräte hinter Möbeln und Steckdosenleisten nicht. Lampen am Lichtschalter ausschalten.
  2. Sicherung wieder einschalten. Den Hebel einmal nach oben drücken und loslassen. Bleibt er oben, ist die Installation offenbar in Ordnung. Fällt er sofort wieder, obwohl nichts angeschlossen ist, liegt der Fehler in der Leitung, einer Steckdose oder einer fest angeschlossenen Leuchte: Sicherung auslassen, Fachbetrieb.
  3. Geräte einzeln wieder anschließen. Ein Gerät einstecken, einschalten, einen Moment warten, dann das nächste. Beginnen Sie mit dem Gerät, das Sie als Letztes benutzt haben.
  4. Auf den Moment des Auslösens achten. Fällt die Sicherung, sobald ein bestimmtes Gerät eingeschaltet wird – auch wenn es als einziges angeschlossen ist –, ist dieses Gerät defekt. Fällt sie erst, wenn mehrere starke Geräte zusammen laufen, ist es Überlast.
  5. Defektes Gerät aussondern. Stecker ziehen, nicht weiter benutzen, reparieren lassen oder entsorgen. Probieren Sie es nicht „noch einmal“ an einer anderen Steckdose aus.
  6. Bei Überlast die Geräte verteilen. Starke Verbraucher nacheinander statt gleichzeitig betreiben oder an Steckdosen eines anderen Stromkreises anschließen.

Welche Steckdosen zu welcher Sicherung gehören, steht im besten Fall beschriftet im Kasten. Fehlt die Beschriftung, lohnt es sich, sie bei dieser Gelegenheit nachzutragen.

Was Sie nie tun dürfen

  • Den Hebel festhalten, festklemmen oder festkleben. Die Sicherung löst innen ohnehin aus; wer es trotzdem versucht, riskiert einen Brand.
  • Eine stärkere Sicherung einsetzen. Die Sicherung ist auf den Querschnitt der Leitung abgestimmt. Eine stärkere lässt mehr Strom zu, als die Leitung verträgt.
  • Schmelzsicherungen überbrücken. Draht, Alufolie oder Münzen im Sicherungssockel sind lebensgefährlich.
  • Immer wieder einschalten. Fällt die Sicherung zwei-, dreimal hintereinander, ist das eine Auskunft, kein Zufall.
  • Abdeckungen abschrauben. Der Sicherungskasten hinter der Abdeckung, Steckdosen und Schalter sind Sache der Elektrofachkraft.

Wann der Elektrofachbetrieb kommen muss

  • Die Sicherung fällt, obwohl kein Gerät angeschlossen ist, oder lässt sich nicht einschalten.
  • Es riecht verschmort, Steckdosen oder Stecker werden warm, es gibt Verfärbungen oder Schmorspuren.
  • Die Sicherung selbst oder der Kasten wird warm oder brummt.
  • Dieselbe Sicherung fällt immer wieder, ohne dass Sie einen Auslöser finden.
  • Die Küche oder ein anderer Raum ist dauerhaft zu schwach abgesichert. Dann hilft nur ein zusätzlicher Stromkreis – und das ist eine Arbeit an der festen Installation.

In der Mietwohnung melden Sie Mängel an der Elektroinstallation dem Vermieter. Für den Fall, dass es doch einmal brennt, sollten Rauchmelder und ein Feuerlöscher vorhanden sein.

So beugen Sie vor

  • Wasserkocher, Mikrowelle, Toaster und Kaffeemaschine nicht gleichzeitig laufen lassen, wenn sie an einer Leitung hängen.
  • Heizlüfter und andere Dauerläufer mit hoher Leistung direkt in eine Wandsteckdose stecken, nicht in eine Leiste.
  • Steckdosenleisten nicht hintereinanderstecken und nicht unter Teppichen oder hinter Vorhängen betreiben.
  • Geräte mit beschädigtem Kabel, wackelndem Stecker oder Brandgeruch sofort außer Betrieb nehmen.

Häufige Fragen

Warum fliegt die Sicherung immer raus, wenn ich den Wasserkocher einschalte?

Meist, weil am selben Stromkreis schon andere starke Geräte laufen und der Wasserkocher die Grenze überschreitet. Fällt die Sicherung auch dann, wenn nur der Wasserkocher angeschlossen ist, ist er defekt.

Die Sicherung lässt sich nicht mehr einschalten – was bedeutet das?

Dann besteht der Kurzschluss noch. Stecken Sie alle Geräte ab und versuchen Sie es einmal. Bleibt sie auch dann nicht oben, liegt der Fehler in der Installation, und es ist ein Fall für den Elektrofachbetrieb.

Kann eine Sicherung selbst kaputtgehen?

Ja, Leitungsschutzschalter können altern und dann zu früh oder gar nicht mehr auslösen. Feststellen und tauschen kann das nur die Elektrofachkraft.

Fliegt die Sicherung raus, wenn eine Lampe flackert?

Flackern allein löst keine Sicherung aus. Es hat meist andere Ursachen, die unter LED flackert beschrieben sind. Flackert das Licht im ganzen Raum und werden Schalter oder Steckdosen warm, lassen Sie die Installation prüfen.

Ist es gefährlich, wenn die Sicherung öfter rausfliegt?

Die Sicherung selbst schützt Sie. Gefährlich ist die Ursache, wenn sie nicht behoben wird: Eine ständig bis an die Grenze belastete Leitung oder ein Gerät mit Kurzschluss gehört nicht weiter in Betrieb.