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Fliesen streichen: Vorbereitung, Lack und Haltbarkeit

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Farbrolle mit weißer Farbe liegt auf einem Farbeimer
Fliesenlack hält nur auf gründlich gereinigten und angeschliffenen Fliesen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wo sich das Streichen lohnt – und wo nicht
  2. Welcher Lack für Fliesen?
  3. Werkzeug und Material
  4. Vorbereitung: der größte Teil der Arbeit
  5. Grundieren und lackieren
  6. Lüften und Arbeitsschutz
  7. Wie lange hält gestrichene Fliese?
  8. In der Mietwohnung
  9. Häufige Fragen

Fliesen streichen funktioniert, wenn die Oberfläche gründlich gereinigt, angeschliffen und grundiert ist und Sie einen dafür gemachten Lack verwenden, am besten einen 2-Komponenten-Fliesenlack. An Wandflächen außerhalb der Dusche hält das Ergebnis viele Jahre. Im direkten Spritzwasser und auf dem Boden ist der Anstrich dagegen eine Lösung auf Zeit – das sollten Sie wissen, bevor Sie die Rolle in die Hand nehmen.

Wo sich das Streichen lohnt – und wo nicht

Ein Lack liegt als dünne Schicht auf der Glasur. Er ist nie so hart wie die Fliese selbst. Daraus ergibt sich, wo die Sache gut geht:

FlächeEignungWomit Sie rechnen müssen
Wand im Bad außerhalb der Dusche, Gäste-WC, Flurguthält bei sauberer Vorbereitung lange, gut zu reinigen
Fliesenspiegel in der Kücheguthinter dem Herd auf Hitze und Fettspritzer achten, nur mild reinigen
Wand in der Dusche, über der Wanneeingeschränktdauernd nass und warm; an Kanten und Fugen kann der Lack nach einiger Zeit unterwandert werden
BodeneingeschränktAbrieb durch Schuhe, Sand und Möbel; Laufwege werden sichtbar, die Fläche kann glatter werden
Boden in der Dusche, Arbeitsplattennicht zu empfehlenstehendes Wasser und mechanische Belastung zugleich

Nicht streichen sollten Sie Fliesen, die hohl klingen, lose sind oder Risse haben, und Flächen mit Feuchtigkeit im Untergrund. Der Lack überdeckt den Schaden, behebt ihn aber nicht. Auch bröselnde Fugen gehören vorher instand gesetzt; wie, steht unter Fugen erneuern.

Welcher Lack für Fliesen?

  • 2-Komponenten-Fliesenlack. Stammlack und Härter werden kurz vor dem Streichen gemischt und reagieren miteinander zu einer harten, wasserfesten Schicht. Das ist die belastbarste Lösung. Nachteil: Die angerührte Menge ist nur begrenzte Zeit verarbeitbar, was übrig bleibt, wird hart.
  • 1-Komponenten-Fliesenlack. Fertig aus der Dose, einfacher zu verarbeiten, aber weniger hart. Für wenig belastete Wandflächen ausreichend, wenn der Hersteller ihn ausdrücklich für Fliesen freigibt.
  • Wandfarbe, normaler Buntlack, Kreidefarbe. Halten auf Glasur nicht dauerhaft, auch nicht mit Grundierung, sobald Wasser und Reinigungsmittel dazukommen.

Bleiben Sie in einem System: Grundierung, Lack und, falls angeboten, Versiegelung vom selben Hersteller und in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Manche 2-Komponenten-Lacke brauchen keinen eigenen Haftgrund, andere verlangen ihn – maßgeblich ist das technische Merkblatt.

Werkzeug und Material

  • Fliesen-Grundreiniger oder Anlauger, Schwamm, Bürste
  • Kalklöser, wo Kalk sitzt
  • feines Schleifpapier oder Schleifvlies, Schleifklotz
  • Staubsauger und fusselfreie Tücher
  • Haftgrund für glatte, nicht saugende Untergründe
  • Fliesenlack, ausreichend für zwei Anstriche
  • kurzflorige Lackrolle oder Schaumstoffrolle, kleiner Pinsel für Ecken, Farbwanne
  • Malerkrepp, Abdeckfolie, Handschuhe, Schutzbrille
  • Silikonentferner und neues Sanitärsilikon für die Anschlussfugen

Vorbereitung: der größte Teil der Arbeit

  1. Silikonfugen entfernen. Auf Silikon haftet kein Lack, und schon Spuren davon lassen die Farbe abperlen. Fugen an Wanne, Waschbecken und in den Ecken herausschneiden und Reste gründlich beseitigen, wie unter Silikon entfernen beschrieben.
  2. Reinigen und entfetten. Die Fläche mit Grundreiniger oder Anlauger kräftig abwaschen, Fugen ausbürsten. Seifenreste, Hautfett, Haarspray und Küchenfett müssen restlos herunter.
  3. Kalk entfernen. Kalkränder mit einem sauren Reiniger lösen, danach mit viel klarem Wasser nachspülen. Reiniger nie miteinander mischen; warum, steht unter Putzmittel nie mischen.
  4. Trocknen lassen. Vor allem die Fugen saugen Wasser auf. Geben Sie ihnen mindestens einen Tag.
  5. Anschleifen. Die Glasur mit feinem Schleifpapier oder Schleifvlies gleichmäßig mattieren. Es geht nicht ums Abtragen, sondern darum, der Grundierung eine raue Oberfläche zu geben.
  6. Entstauben. Absaugen, dann mit einem leicht feuchten, fusselfreien Tuch nachwischen und trocknen lassen.
  7. Ausbessern. Löcher und Abplatzer mit einer geeigneten Spachtelmasse füllen und glatt schleifen, schadhafte Fugen ergänzen.
  8. Abkleben. Armaturen, Schalter, Steckdosen, Wannenrand und Türrahmen abkleben, den Boden abdecken.

Grundieren und lackieren

  1. Haftgrund auftragen. Dünn und gleichmäßig mit der Rolle, Ecken und Fugen mit dem Pinsel. Trocknungszeit laut Gebinde einhalten.
  2. Lack mischen. Bei 2-Komponenten-Lack den Härter vollständig in den Stammlack geben und gründlich verrühren. Notieren Sie die Uhrzeit: Nach Ablauf der Verarbeitungszeit wird der Lack zäh und verläuft nicht mehr.
  3. Erst die Fugen und Ränder. Mit dem Pinsel vorstreichen, damit die Vertiefungen gefüllt sind.
  4. Dann die Fläche. Mit der Rolle in Bahnen, erst kreuzweise verteilen, dann in einer Richtung abrollen. Dünn arbeiten; dicke Schichten bilden Läufer und härten schlecht durch.
  5. Zwischentrocknen. Die Wartezeit bis zum zweiten Anstrich steht auf dem Gebinde. Wird sie deutlich überschritten, verlangen manche Systeme einen leichten Zwischenschliff.
  6. Zweiter Anstrich. Erst er bringt gleichmäßige Deckung und Schichtstärke.
  7. Kreppband abziehen. Solange der Lack noch nicht ganz hart ist, sonst reißt die Kante aus.
  8. Aushärten lassen. Staubtrocken ist der Lack nach Stunden, voll belastbar erst nach mehreren Tagen; die genaue Frist nennt der Hersteller. Bis dahin kein Wasser, kein Reiniger, keine Möbel.
  9. Silikonfugen neu ziehen. Nach dem Durchhärten die Anschlüsse wieder elastisch schließen: Silikonfuge erneuern.

Die Fugen nehmen beim Streichen die Farbe der Fliesen an. Wer das Fugenbild zurückhaben möchte, kann sie nach dem Aushärten mit einem Fugenstift nachziehen; ruhiger und haltbarer ist die einfarbige Fläche.

Lüften und Arbeitsschutz

Viele Fliesenlacke enthalten Lösemittel, und die Härter von 2-Komponenten-Systemen können Haut und Atemwege reizen und Allergien auslösen. Arbeiten Sie bei geöffnetem Fenster, im fensterlosen Bad mit offener Tür und Durchzug in der Wohnung, und machen Sie Pausen an der frischen Luft. Handschuhe und Schutzbrille gehören dazu, Zündquellen und Kerzen nicht in den Raum. Halten Sie Kinder und Haustiere fern, bis der Geruch verflogen ist. Die Sicherheitshinweise auf dem Gebinde haben Vorrang; es gibt auch wasserverdünnbare Systeme, die deutlich weniger riechen. Reste gehören zur Schadstoffsammlung, nicht in den Abfluss.

Wie lange hält gestrichene Fliese?

Ehrlich gesagt: Es kommt auf die Stelle an. An einer Wand, an die selten Wasser kommt, bleibt ein sauber aufgebauter 2-Komponenten-Anstrich viele Jahre ansehnlich. In der Dusche arbeitet warmes Wasser täglich an den Kanten, auf dem Boden schleifen Sandkörner unter den Sohlen. Dort sehen Sie nach einiger Zeit matte Laufwege, Kratzer oder kleine Abplatzer, die sich zwar ausbessern lassen, aber selten unsichtbar.

Die Lebensdauer verlängern Sie mit milden Reinigern, weichen Tüchern und dem Verzicht auf Scheuermilch, Stahlwolle und Dampfreiniger. Wer eine dauerhafte Lösung für den Boden oder die Dusche sucht, fährt mit neuen Fliesen besser; die Zwischenwege beschreibt der Beitrag Fliesen überkleben.

In der Mietwohnung

Ein Anstrich auf Fliesen lässt sich nicht einfach rückgängig machen. Er gilt deshalb als Veränderung der Mietsache, die in der Regel die Zustimmung des Vermieters braucht – am besten schriftlich und mit einer Absprache, ob die Fläche beim Auszug so bleiben darf. Ohne diese Zustimmung riskieren Sie, für neue Fliesen aufkommen zu müssen.

Häufige Fragen

Kann man Fliesen ohne Schleifen streichen?

Manche Hersteller werben damit, dass ihr Haftgrund das Schleifen ersetzt. Das Mattieren kostet aber wenig Zeit und verbessert die Haftung auf Glasur spürbar. Unverzichtbar ist in jedem Fall das gründliche Entfetten.

Kann man Fliesen in der Dusche streichen?

Es geht mit einem 2-Komponenten-Lack, der ausdrücklich für Nassbereiche freigegeben ist, und nach vollständiger Aushärtung. Die Haltbarkeit ist dort aber begrenzt, und Schäden an Kanten und Fugen sind mit der Zeit zu erwarten.

Kann man Bodenfliesen streichen?

Ja, mit einem für Böden zugelassenen System. Rechnen Sie mit sichtbarem Abrieb auf den Laufwegen und achten Sie auf die Rutschhemmung; manche Hersteller bieten dafür Zusätze an.

Wie lange muss Fliesenlack trocknen?

Überstreichbar ist er meist nach einigen Stunden bis zu einem Tag, mit Wasser belastbar erst nach mehreren Tagen. Verbindlich ist die Angabe auf dem Gebinde, und kühle, feuchte Räume verlängern die Zeit.

Was kostet es, Fliesen zu streichen?

Deutlich weniger als neue Fliesen, denn es fallen nur Reiniger, Grundierung, Lack und etwas Werkzeug an. 2-Komponenten-Systeme sind teurer als einfache Lacke; rechnen Sie den Bedarf für zwei Anstriche anhand der Flächenangabe auf dem Gebinde aus. Aufwendiger als das Material ist die eigene Zeit für die Vorbereitung.