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Zelt reinigen, trocknen und richtig lagern

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Helles Zelt auf einer Wiese vor Bergen und bewölktem Himmel
Ein Zelt wird erst eingepackt, wenn es vollständig trocken ist
Inhalt10 Abschnitte
  1. Warum ein Zelt nie nass im Packsack bleiben darf
  2. Was Sie brauchen
  3. Schritt für Schritt: Zelt von Hand reinigen
  4. Keine Waschmaschine, kein Waschmittel
  5. Flecken: Harz, Vogelkot und Stockflecken
  6. Reißverschlüsse, Gestänge und Heringe
  7. Nachimprägnieren, wenn Regen nicht mehr abperlt
  8. Richtig lagern
  9. Typische Fehler
  10. Häufige Fragen

Ein Zelt reinigen Sie am besten direkt nach der Tour: aufbauen, groben Schmutz abbürsten, Flecken mit lauwarmem Wasser und einem weichen Schwamm abwischen und das Zelt dann aufgebaut oder aufgehängt vollständig trocknen lassen. In die Waschmaschine gehört es nicht, und normales Waschmittel ebenso wenig, denn beides greift Beschichtung und Imprägnierung an. Das Wichtigste passiert ohnehin nicht beim Putzen, sondern beim Einpacken: Ein Zelt, das feucht im Packsack liegt, bekommt Stockflecken.

Warum ein Zelt nie nass im Packsack bleiben darf

Morgens ist das Außenzelt fast immer nass, vom Regen oder vom Tau. Zum Abbauen ist das unvermeidlich, zum Lagern nicht. Bleibt ein feuchtes Zelt mehrere Tage zusammengerollt liegen, wachsen Schimmelpilze auf dem Gewebe. Es entstehen schwarze oder grünliche Punkte, die sich kaum wieder entfernen lassen, und ein muffiger Geruch, der sich festsetzt.

Dazu kommt ein zweites, weniger bekanntes Problem: Viele Zelte haben eine Beschichtung aus Polyurethan (PU), die den Stoff wasserdicht macht. Diese Beschichtung kann sich über die Jahre durch Feuchtigkeit und Wärme zersetzen, Fachleute sprechen von Hydrolyse. Typische Anzeichen sind eine klebrige Innenseite, abblätternde Schicht und ein säuerlicher Geruch. Feucht und warm gelagerte Zelte sind davon eher betroffen als trocken gelagerte. Ganz verhindern lässt sich der Alterungsprozess nicht, aber trockene, kühle Lagerung verzögert ihn deutlich. Ist die Beschichtung einmal klebrig, lässt sie sich zu Hause nicht mehr retten.

Wenn Sie ein nasses Zelt abbauen müssen, packen Sie es locker in einen Beutel und breiten es spätestens am nächsten Tag zu Hause zum Trocknen aus, im Garten, auf dem Balkon, im Keller über einer Leine oder zur Not über die Badewanne gehängt.

Was Sie brauchen

  • einen weichen Schwamm und eine weiche Bürste, etwa eine Kleiderbürste
  • lauwarmes Wasser, bei Bedarf einen speziellen Zeltreiniger oder etwas milde Seife
  • einen Gartenschlauch oder eine Gießkanne zum Abspülen
  • eine alte Zahnbürste für Reißverschlüsse und Ecken
  • ein Imprägnierspray, das für Zeltstoffe geeignet ist
  • Platz zum Aufbauen oder Aufhängen, im Schatten

Schritt für Schritt: Zelt von Hand reinigen

  1. Aufbauen und ausschütteln. Das Zelt aufbauen, Innenzelt öffnen, Sand, Nadeln und Krümel herausschütteln oder mit dem Handstaubsauger holen.
  2. Trocken abbürsten. Angetrockneten Schlamm erst trocknen lassen und dann abbürsten, statt ihn nass zu verschmieren.
  3. Feucht abwischen. Verschmutzte Stellen mit lauwarmem Wasser und dem weichen Schwamm abwischen. Bei hartnäckigem Schmutz einen Zeltreiniger nach Packungsangabe nehmen oder sehr wenig milde Seife, die Sie danach gründlich abspülen.
  4. Abspülen. Mit klarem Wasser nachspülen, damit keine Reinigerreste auf dem Gewebe bleiben.
  5. Bodenwanne nicht vergessen. Das Zelt umdrehen oder anheben und die Unterseite des Bodens ebenfalls abwischen; hier sitzt der meiste Dreck.
  6. Vollständig trocknen. Aufgebaut im Schatten trocknen lassen, danach umdrehen, damit auch der Boden trocknet. Nähte und doppelte Lagen brauchen am längsten.

Pralle Sonne ist zum Trocknen ungünstiger als Schatten und Wind, weil UV-Licht das Gewebe auf Dauer schwächt. Ein paar Stunden schaden nicht, das Zelt wochenlang in der Sonne stehen zu lassen schon.

Keine Waschmaschine, kein Waschmittel

Ein Zelt gehört nicht in die Waschmaschine. Die Trommel knickt und reibt die Beschichtung, die Nahtbänder lösen sich, Gestänge-Kanäle und Fenster aus Folie können reißen. Normales Waschmittel und Weichspüler entfernen zudem die wasserabweisende Imprägnierung; danach saugt sich das Außenzelt beim nächsten Regen voll. Auch Scheuermittel, Lösungsmittel und harte Bürsten sind tabu. Ein Innenzelt ohne Beschichtung könnte man theoretisch vorsichtig von Hand waschen, sinnvoll ist das aber nur, wenn der Hersteller es ausdrücklich erlaubt.

Flecken: Harz, Vogelkot und Stockflecken

Harz von Nadelbäumen tropft gern aufs Zelt, wenn man es unter Kiefern aufschlägt. Frisches Harz lässt sich oft abnehmen, wenn es kalt ist, etwa mit einem Eisbeutel aufgelegt. Lösungsmittel greifen die Beschichtung an; testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle. Was bei Harz sonst hilft, steht unter Harzflecken entfernen.

Vogelkot entfernen Sie so bald wie möglich mit Wasser und Schwamm, weil er das Gewebe angreifen kann. Stockflecken lassen sich auf Zeltstoff nur begrenzt entfernen, ohne die Beschichtung zu beschädigen. Chlorreiniger bleichen und schädigen das Material. Einen Versuch mit einem speziellen Reiniger für Outdoor-Textilien können Sie wagen; die Grundlagen erklärt Stockflecken entfernen. Oft bleibt ein Schatten zurück, der aber die Funktion nicht beeinträchtigt, solange die Beschichtung intakt ist.

Reißverschlüsse, Gestänge und Heringe

Reißverschlüsse sind die Teile, die am Zelt am häufigsten versagen. Sand in der Spirale sorgt dafür, dass der Schieber hakt und die Zähne sich mit der Zeit nicht mehr schließen. Bürsten Sie die Reißverschlüsse mit einer alten Zahnbürste und Wasser aus, öffnen und schließen Sie sie danach ein paar Mal. Läuft einer schwer, hilft ein Reißverschlusspflegemittel oder ein Wachsstift; Öl zieht dagegen neuen Schmutz an.

Das Gestänge wischen Sie mit einem feuchten Tuch ab und lassen es trocknen, bevor Sie es zusammenstecken. Nach einem Strandurlaub mit Salzwasser lohnt ein kurzes Abspülen mit Süßwasser. Heringe werden abgespült und trocken verpackt, sonst rosten Stahlheringe und verschmutzen den Beutel.

Nachimprägnieren, wenn Regen nicht mehr abperlt

Ein neues Außenzelt lässt Wasser abperlen. Wird der Stoff bei Regen dunkel und saugt sich voll, ist die äußere Imprägnierung erschöpft. Das bedeutet nicht zwingend, dass das Zelt undicht ist, denn dicht hält die Beschichtung auf der Innenseite. Ein vollgesogenes Außenzelt wird aber schwer, trocknet langsam und hängt durch.

So gehen Sie vor: Das Zelt reinigen und vollständig trocknen lassen, dann aufbauen und ein Imprägnierspray für Zelte gleichmäßig auf die Außenseite sprühen, bis der Stoff gleichmäßig feucht aussieht. Arbeiten Sie im Freien, bei Windstille und ohne Menschen oder Tiere in der Sprührichtung; Imprägniersprays nicht einatmen. Danach trocknen lassen, wie es der Hersteller angibt. Undichte Nähte, bei denen sich das Nahtband gelöst hat, lassen sich mit einem Nahtdichter aus dem Outdoor-Handel nacharbeiten.

Richtig lagern

Über den Winter lagern Sie das Zelt trocken, kühl und locker, zum Beispiel lose gefaltet in einem großen Baumwollbeutel oder einem Karton, nicht fest gerollt im engen Packsack. So bilden sich keine festen Knicke in der Beschichtung, und restliche Feuchtigkeit kann entweichen. Dachböden, die im Sommer heiß werden, und feuchte Keller sind ungünstig. Ein Schlafsack verträgt enge Kompression übrigens noch schlechter als ein Zelt; wie er gepflegt wird, steht unter Daunenschlafsack waschen. Wer Campingausrüstung sammelt, findet mehr Themen in der Rubrik Freizeit.

Typische Fehler

  • Nass eingepackt und vergessen: der häufigste Grund für Stockflecken und Geruch.
  • Waschmaschine: zerstört Nahtbänder und Beschichtung.
  • Waschmittel oder Weichspüler: nimmt dem Außenzelt die Imprägnierung.
  • Dauerhaft in der Sonne: UV-Licht macht das Gewebe mürbe.
  • Heiß gelagert: Wärme und Restfeuchte beschleunigen die Zersetzung der PU-Beschichtung.

Häufige Fragen

Kann man ein Zelt in der Waschmaschine waschen?

Nein. Die Trommel beschädigt Beschichtung, Nahtbänder und Fenster, und Waschmittel entfernt die Imprägnierung. Reinigen Sie das Zelt von Hand mit Wasser und einem weichen Schwamm.

Wie lange darf ein nasses Zelt im Packsack bleiben?

So kurz wie möglich, am besten nur für die Heimfahrt. Bei warmem Wetter können sich schon nach ein bis zwei Tagen Stockflecken bilden. Spätestens zu Hause wird das Zelt ausgebreitet und getrocknet.

Was tun, wenn die Zeltbeschichtung klebt?

Eine klebrige, säuerlich riechende Innenseite ist ein Zeichen, dass sich die PU-Beschichtung zersetzt. Das lässt sich nicht rückgängig machen. Das Zelt wird mit der Zeit undicht; Ersatzteile wie Außenzelt oder Bodenwanne gibt es bei manchen Herstellern einzeln.

Wie oft muss ich ein Zelt imprägnieren?

Nur, wenn Regen nicht mehr abperlt und der Stoff sich vollsaugt. Bei gelegentlicher Nutzung ist das eher alle paar Jahre als jede Saison der Fall.