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Glaswolle und Steinwolle entsorgen

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Fassade mit gelben Mineralwolle-Dämmplatten und Tellerdübeln um ein Fenster
Alte Mineralwolle von vor etwa 1996 gilt als gefährlicher Abfall und braucht eine eigene Annahmestelle
Inhalt8 Abschnitte
  1. Glaswolle, Steinwolle, Mineralwolle – was ist was?
  2. Alt oder neu: der entscheidende Unterschied
  3. Wohin gehört Mineralwolle?
  4. So bauen Sie Mineralwolle staubarm aus
  5. Kosten
  6. Weitergeben statt wegwerfen?
  7. Typische Fehler
  8. Häufige Fragen

Glaswolle und Steinwolle entsorgen Sie weder im Restmüll noch im Bauschutt-Container. Mineralwolle wird in reißfeste, staubdichte Säcke verpackt und beim Wertstoffhof oder einer anderen Annahmestelle abgegeben, die sie ausdrücklich annimmt – meist gegen Gebühr. Besonders sorgfältig müssen Sie bei alter Dämmung sein: Mineralwolle, die vor etwa 1996 hergestellt wurde, gilt als möglicherweise krebserzeugend und ist gefährlicher Abfall.

Glaswolle, Steinwolle, Mineralwolle – was ist was?

Mineralwolle ist der Oberbegriff für künstliche Mineralfasern, die als Dämmstoff in Dächern, Wänden, Zwischendecken und Rohrisolierungen stecken. Glaswolle wird aus Altglas und Sand hergestellt und ist meist gelblich. Steinwolle besteht aus Gestein wie Basalt und ist eher grünlich, graubraun oder grau. Für die Entsorgung spielt der Unterschied kaum eine Rolle; entscheidend ist das Alter.

Alt oder neu: der entscheidende Unterschied

Die Fasern älterer Mineralwolle sind so beschaffen, dass sie lange in der Lunge bleiben können. Deshalb gilt Mineralwolle, die vor 1996 hergestellt wurde, als möglicherweise krebserzeugend. Seit Mitte der 1990er-Jahre wurden die Rezepturen umgestellt; seit dem Jahr 2000 dürfen in Deutschland nur noch Produkte verwendet werden, deren Fasern der Körper schneller abbauen kann. Solche Dämmstoffe tragen häufig das RAL-Gütezeichen der Gütegemeinschaft Mineralwolle.

In der Praxis bedeutet das: Wenn Sie nicht sicher wissen, wann die Dämmung eingebaut wurde, behandeln Sie sie wie alte Mineralwolle. Anhaltspunkte liefern das Baujahr des Hauses, Rechnungen oder Aufdrucke auf Resten der Verpackung. Mineralwolle aus einem Dachausbau der 1980er-Jahre ist mit großer Sicherheit alt.

Neue Mineralwolle ist nicht harmlos, weil sie Haut, Augen und Atemwege reizt und juckt, sie ist aber kein gefährlicher Abfall im rechtlichen Sinn. Für Verschnitt beim Neubau bieten manche Hersteller Rücknahmesysteme an.

Wohin gehört Mineralwolle?

ArtRichtiger Weg
Alte Mineralwolle (vor etwa 1996) oder unbekanntes Alterstaubdicht in Spezialsäcken verpackt zu einer Annahmestelle für gefährliche Abfälle, oft Wertstoffhof oder Deponie des Landkreises
Neue Mineralwolle, Reste vom Einbauverpackt zum Wertstoffhof; teils Rücknahme über Hersteller oder Händler
Große Mengen aus einer Sanierungüber den Handwerksbetrieb oder einen Entsorger mit passendem Container
Mineralwolle im Restmüll, Bauschutt oder Sperrmüllnicht erlaubt

Wie die Annahme bei Ihnen geregelt ist, entscheidet die Abfallsatzung Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Viele Wertstoffhöfe nehmen Mineralwolle nur in kleinen, haushaltsüblichen Mengen und nur verpackt, andere verweisen auf eine zentrale Annahmestelle. Fragen Sie vorher bei der Abfallberatung oder in der Abfall-App nach, bevor Sie mit einem vollen Anhänger losfahren. Hier steht der Regelfall in Deutschland.

So bauen Sie Mineralwolle staubarm aus

Kleinere Mengen Dämmung, etwa aus einer Dachschräge oder einer Zwischenwand, bauen viele Heimwerker selbst aus. Das ist möglich, wenn Sie die Fasern so wenig wie möglich aufwirbeln und sich schützen. Bei großen Flächen alter Dämmung ist ein Fachbetrieb die bessere Wahl.

  1. Schutzausrüstung anziehen. Atemschutzmaske mindestens FFP2, bei alter Mineralwolle besser FFP3, dazu dicht schließende Schutzbrille, Handschuhe und einen Einweg-Schutzanzug oder lange Kleidung, die Sie danach sofort waschen.
  2. Raum vorbereiten. Möbel ausräumen oder abdecken, Türen schließen, den Boden mit Folie auslegen. Kinder und Haustiere fernhalten.
  3. Material anfeuchten. Die Dämmung mit einer Sprühflasche leicht befeuchten; feuchte Fasern fliegen deutlich weniger.
  4. Ganze Stücke herausnehmen. Die Matten möglichst am Stück lösen, nicht reißen, nicht zerschneiden und nicht werfen.
  5. Sofort verpacken. Direkt in reißfeste, staubdichte Säcke legen, die Säcke nicht auspressen und fest verschließen, etwa mit Kabelbinder oder Klebeband.
  6. Aufräumen ohne Staub. Reste feucht aufnehmen oder mit einem Industriesauger mit geeignetem Filter absaugen, nicht fegen. Den normalen Haushaltsstaubsauger lassen Sie aus dem Spiel.

Für die Verpackung gibt es spezielle Mineralwolle-Säcke, sogenannte KMF-Säcke, die häufig schon beschriftet sind. Manche Annahmestellen verkaufen sie selbst oder schreiben ein bestimmtes Modell vor. Im Handel finden Sie sie unter dem Stichwort KMF-Entsorgungssack.

Kosten

Die Annahme von Mineralwolle kostet fast überall Geld. Abgerechnet wird je Sack, nach Volumen oder nach Gewicht; alte Mineralwolle ist dabei meist teurer als neue, weil sie gesondert behandelt werden muss. Hinzu kommen die Säcke und die Schutzausrüstung. Die Beträge unterscheiden sich stark je nach Region; die aktuelle Gebührenordnung finden Sie auf der Seite Ihres Abfallbetriebs. Bei großen Mengen aus einer Sanierung ist ein Container vom Entsorger oft günstiger als viele Fahrten.

Weitergeben statt wegwerfen?

Ausgebaute alte Dämmung gehört nicht in die Weitergabe, auch nicht, wenn sie noch gut aussieht. Anders ist es mit originalverpackten Resten neuer Mineralwolle: Die nehmen Nachbarn, Bekannte oder Kleinanzeigen-Käufer für ein eigenes Projekt oft gern. So müssen Sie sie gar nicht erst entsorgen.

Typische Fehler

  • Dämmung in den Bauschutt-Container werfen. Mineralwolle ist kein mineralischer Bauschutt; ein falsch befüllter Container wird teuer nachsortiert. Was in normalen Bauschutt gehört, steht dort.
  • Säcke randvoll stopfen und zusammendrücken. Dabei platzen sie oder blasen Fasern aus.
  • Ohne Maske arbeiten, „weil es nur kurz dauert“. Gerade beim Herausreißen fliegen die meisten Fasern.
  • Mineralwolle mit Gipskarton oder Holz vermischen. Trennen Sie vorher; für Gipskarton und Altholz gelten eigene Wege.
  • Dämmreste im Restmüll verstecken. Das ist nicht erlaubt und gefährdet die Mitarbeiter der Müllabfuhr.

Häufige Fragen

Darf Glaswolle in den Restmüll?

Nein. Glaswolle und Steinwolle gehören weder in die Restmülltonne noch in den Sperrmüll. Auch kleine Reste bringen Sie verpackt zum Wertstoffhof oder zur Annahmestelle, die Ihre Kommune dafür vorsieht.

Woran erkenne ich alte Mineralwolle?

Sicher nur am Herstellungsdatum. Stammt die Dämmung aus einem Gebäude oder Ausbau vor 1996 oder ist das Alter unklar, behandeln Sie sie als alte Mineralwolle. Neuere Produkte tragen häufig das RAL-Gütezeichen, das Sie aber an ausgebauten Matten kaum noch finden.

Wie gefährlich ist alte Glaswolle wirklich?

Alte Mineralwolle gilt als möglicherweise krebserzeugend, weil ihre Fasern lange in der Lunge verbleiben können. Das Risiko entsteht beim Einatmen von Fasern, also vor allem beim Ausbauen. Solange die Dämmung verkleidet und unberührt ist, geht von ihr kaum eine Gefahr aus.

Wo bekomme ich Säcke für Mineralwolle?

Im Baustoffhandel, im Baumarkt, im Onlinehandel und oft direkt bei der Annahmestelle. Fragen Sie vorher, ob Ihre Annahmestelle eine bestimmte Sackart verlangt, sonst müssen Sie am Ende umpacken.

Nimmt der Wertstoffhof Mineralwolle kostenlos an?

In aller Regel nicht. Die meisten Kommunen erheben eine Gebühr, weil Mineralwolle gesondert deponiert werden muss. Die Höhe steht in der Gebührenordnung Ihres Abfallbetriebs.