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Geruch neuer Möbel: Ausdünstungen richtig loswerden

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Graue Kommode mit Schreibtischlampe, Vase, Körben und rundem Spiegel
Offene Schubladen und viel Lüften helfen neuen Möbeln beim Ausdünsten
Inhalt8 Abschnitte
  1. Woher der Geruch neuer Möbel kommt
  2. Was bei neuen Möbeln wirklich hilft
  3. Polstermöbel, Matratzen und Leder
  4. Schränke und Kommoden von innen
  5. Was nicht hilft
  6. Wann Sie reklamieren sollten
  7. Beim nächsten Kauf: auf Siegel achten
  8. Häufige Fragen

Neue Möbel riechen, weil aus Lacken, Klebern, Spanplatten, Polsterschaum und Leder flüchtige Stoffe entweichen. In den meisten Fällen lässt der Geruch innerhalb weniger Wochen deutlich nach, wenn Sie konsequent lüften. Wärme beschleunigt den Vorgang, Duftsprays verlängern ihn eher. Riecht ein Möbel nach Wochen immer noch stark oder bekommen Sie Kopfschmerzen, ist das ein Grund zur Reklamation.

Woher der Geruch neuer Möbel kommt

Fast jedes neue Möbel gibt in den ersten Wochen Stoffe an die Raumluft ab. Fachleute fassen sie als flüchtige organische Verbindungen zusammen. Typische Quellen sind:

  • Lacke, Öle und Beizen auf Holz und Holzwerkstoffen, die Lösemittel enthalten können,
  • Kleber und Bindemittel in Spanplatten, MDF und Sperrholz; aus manchen Leimen kann Formaldehyd entweichen,
  • Polsterschaum in Sofas, Sesseln und Matratzen,
  • Leder, dessen Gerbung und Zurichtung einen eigenen Geruch hinterlassen,
  • Kunststoffe und Beschichtungen, etwa Folien auf Küchenfronten oder Kunstleder.

Wie stark ein Möbel riecht, sagt nicht automatisch etwas über seine Schadstoffbelastung. Manche Stoffe riechen schon in winziger Menge, andere kaum. Für Holzwerkstoffe gelten in Deutschland Grenzwerte für die Formaldehydabgabe, doch mehrere neue Möbel in einem kleinen Raum summieren sich.

Was bei neuen Möbeln wirklich hilft

  1. Verpackung sofort raus. Folie und Karton halten Ausdünstungen fest. Möbel auspacken, Verpackung aus der Wohnung bringen.
  2. Kräftig lüften. Mehrmals täglich stoßlüften, am besten quer durch die Wohnung. Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht die Luft kaum aus. Tipps dazu im Beitrag richtig lüften.
  3. Alles öffnen. Schubladen herausziehen, Schranktüren offen lassen, Einlegeböden nicht gleich beladen. Im Inneren von Korpusmöbeln sammelt sich sonst der Geruch.
  4. Wärme nutzen. Den Raum für einige Tage etwas wärmer heizen als üblich und dabei regelmäßig lüften. Wärme beschleunigt das Ausgasen, das Lüften bringt die Stoffe hinaus.
  5. Zeit geben. Den Raum erst intensiv nutzen, wenn der Geruch deutlich nachgelassen hat. Vor allem Schlafzimmer und Kinderzimmer möglichst nicht am Tag der Lieferung beziehen. Wer ein Babyzimmer einrichtet, stellt die Möbel am besten einige Wochen vor der Geburt auf, dann bleibt genug Zeit zum Auslüften.

Wärme ohne Lüften ist ein Fehler. Wer den Raum aufheizt und die Fenster geschlossen hält, erhöht die Konzentration in der Luft, statt sie zu senken.

Polstermöbel, Matratzen und Leder

Sofas und Matratzen geben ihren Geruch aus dem Schaum im Inneren ab, das dauert oft länger als bei einem Schrank. Stellen Sie sie in den ersten Tagen möglichst frei, damit Luft rundherum kommt, und ziehen Sie abnehmbare Bezüge ab, um sie nach Pflegeetikett zu waschen. Natron, dünn auf den Stoff gestreut und nach einigen Stunden abgesaugt, bindet etwas Geruch an der Oberfläche; die Ausdünstungen aus dem Schaum stoppt es nicht. Neue Matratzen am besten einige Tage in einem gut gelüfteten Raum auslüften lassen, bevor Sie darauf schlafen.

Neues Leder riecht nach Gerbstoffen und Pflegemitteln. Das lässt mit Lüften nach und gehört in Maßen zum Material. Mehr zur Pflege lesen Sie bei Leder reinigen.

Schränke und Kommoden von innen

In geschlossenen Korpusmöbeln staut sich der Geruch besonders. Neben dem Offenlassen helfen:

  • Innenflächen nebelfeucht mit etwas Spülmittelwasser abwischen und offen trocknen lassen, bei unbehandeltem Holz nur sehr sparsam mit Wasser,
  • eine offene Schale mit Natron oder Aktivkohle, die Restgerüche bindet und alle paar Wochen erneuert wird,
  • Kleidung und Wäsche erst einräumen, wenn der Schrank kaum noch riecht, sonst nimmt der Stoff den Geruch auf.

Für Schubladen und kleine Fächer eignen sich Aktivkohle-Beutel, die sich laut vieler Hersteller in der Sonne regenerieren lassen. Riecht ein Schrank eher feucht und muffig als chemisch, liegt ein anderes Problem vor; dazu mehr im Beitrag Muffiger Geruch in Schrank und Koffer.

Was nicht hilft

Raumsprays, Duftkerzen und Duftstecker überdecken den Geruch und geben selbst weitere Stoffe an die Luft ab. Kaffeepulver, Zitronenschalen oder Essigschälchen verändern den Geruch im Raum, beschleunigen aber das Ausgasen nicht. Auch das Überstreichen oder Lackieren eines riechenden Möbels ist keine gute Idee: Es bringt neue Lösemittel ins Zimmer und kann das Ausgasen aus dem Inneren nur verlangsamen.

Wann Sie reklamieren sollten

Ein leichter Neugeruch in den ersten Wochen ist normal. Anders sieht es aus, wenn

  • der Geruch nach mehreren Wochen regelmäßigen Lüftens kaum schwächer geworden ist,
  • er stechend oder beißend ist,
  • Sie oder Mitbewohner im Raum Kopfschmerzen, gereizte Augen, Schleimhäute oder Übelkeit bekommen, die draußen verschwinden.

Dann wenden Sie sich an den Händler und schildern Sie das Problem schriftlich. Ein Möbel, das dauerhaft stark ausdünstet, kann ein Mangel sein. Bei Beschwerden, die nicht abklingen, gehört der Gang zum Arzt dazu. Ein Sachverständiger kann die Raumluft messen; das kostet Geld und lohnt sich vor allem, wenn es Streit um eine Reklamation gibt.

Beim nächsten Kauf: auf Siegel achten

Emissionsarme Möbel erkennen Sie an Umweltzeichen. Der Blaue Engel für emissionsarme Möbel und Holzwerkstoffe setzt strenge Grenzwerte, ebenso das Goldene M der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel und Prüfzeichen unabhängiger Institute. Ein Siegel ist keine Garantie für null Geruch, aber eine gute Orientierung. Außerdem hilft es, Möbel aus Massivholz mit natürlichen Ölen zu wählen, Ausstellungsstücke zu kaufen, die schon ausgelüftet sind, und nicht die ganze Einrichtung eines kleinen Raums auf einmal zu erneuern.

Häufige Fragen

Wie lange riechen neue Möbel?

Bei den meisten Möbeln lässt der Geruch mit regelmäßigem Lüften innerhalb von einigen Tagen bis wenigen Wochen deutlich nach. Polstermöbel und Matratzen brauchen oft länger als Schränke. Riecht es nach mehreren Wochen noch stark, sprechen Sie mit dem Händler.

Ist der Geruch neuer Möbel schädlich?

Der Geruch zeigt, dass Stoffe in die Raumluft gelangen, sagt aber allein nichts über deren Menge und Wirkung. In gut gelüfteten Räumen und bei nachlassendem Geruch ist das in der Regel unbedenklich. Bei Beschwerden wie Kopfschmerzen oder gereizten Schleimhäuten sollten Sie nicht abwarten.

Hilft Natron gegen den Geruch neuer Möbel?

Etwas, vor allem in Schränken und auf Polsterstoffen. Natron bindet Geruchsstoffe an der Oberfläche. Das Ausgasen aus dem Material beschleunigt es nicht, das schaffen nur Zeit, Wärme und Lüften.

Wie bekomme ich den Geruch aus neuer Kleidung, etwa Jeans?

Neue Kleidung riecht nach Rückständen aus Färbung und Ausrüstung. Waschen Sie sie vor dem ersten Tragen nach Pflegeetikett, dunkle Jeans links gedreht und getrennt. Wie das am besten geht, steht im Beitrag Jeans waschen.